Leonhard Ried

Ein Nachmittag in der Badewanne!



Ich liege hier in der Badewanne,
während draußen das Leben tobt.
Heute wird die Fertigstellung des großen Parks gefeiert,
mit Spiel, Musik und viel Tamtam.

Dass ich bei diesem Trubel nicht dabei sein kann,
macht mir nichts aus. 
Meine Frau wird mir davon berichten:
Sie trifft sich mit einer Freundin im Park.

Es könnte eigentlich ganz schön sein,
hier in der Badewanne,
wären da nicht die Hustenanfälle,
die mich in regelmäßigen Abständen quälen.
Ein zäher Schleim sitzt in den Bronchien,
der nicht den Weg nach draußen findet.

Ja, stellt euch vor: 
Mitten in der Nacht bin ich aufgewacht,
und alles war patschnass:
mein Körper, mein Schlafanzug und ein großer Teil der Bettwäsche.
So etwas habe ich noch nie erlebt.

Als meine Frau nach dem morgendlichen Duschen
wieder ins Schlafzimmer kam, sagte sie:
“Hier riecht es ja ganz unangenehm.”
Schlagfertig, wie ich bin, erwiderte ich darauf:
“Ich bin schließlich in der Pubertät!”
Sie darauf: “Ja, so riecht es hier!”

Bevor ich meine Live-Schaltung aus dem Badezimmer beende,
möchte ich euch noch ein paar intime Details verraten:
Ich bade hier keineswegs ganz allein.
Es gibt mehrere Persönlichkeiten,
die mir Gesellschaft leisten.

Das ist zum einen der Herr Martin Luther.
Ihn hat meine Frau einmal in Wittenberg gekauft.
Neben ihm steht eine knallrot gekleidete Dame,
die auf ihrer Vorderseite das Emblem des örtlichen Fußballvereins trägt.

Alle Personen sitzen aneinandergereiht
auf der anderen Stirnseite der Badewanne,
also an der Grenze zur Dusche,
die schon seit vielen Wochen defekt ist.

Das Ensemble wird vervollständigt
durch ein Hochzeitspaar aus dem Schwarzwald,
sowie durch eine Dame,
die einem Micky-Mouse-Heftchen entsprungen zu sein scheint.

Um euch eine verlässliche Auskunft geben zu können,
habe ich die Enten auf ihre Schwimmtauglichkeit überprüft.
Und es gab leider nur eine Badeente,
die den Test bestanden hat,
und das war erstaunlicherweise Herr Martin Luther.

Nur er konnte sich aufrecht über Wasser halten.
So war es schon damals, als er noch lebte.
Er entging jeder Nachstellung und Verfolgung,
so als wenn er unter einem besonderen
göttlichen Schutz gestanden hätte.

Meine Frau fühlt sich sehr hingezogen zur evangelischen Kirche.
Deshalb muss ich diesen Martin Luther in unserem Badezimmer dulden.

Ich bin nämlich ein unverbesserlicher Katholik!

Vorheriger TitelNächster Titel
 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Leonhard Ried).
Der Beitrag wurde von Leonhard Ried auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 10.05.2026. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

Der Autor:

  Leonhard Ried als Lieblingsautor markieren

Bücher unserer Autoren:

cover

Das Haus der Lügen von Yvonne Habenicht



Was ein Neuanfang werden sollte, gerät zum Desaster. Ein Schicksalsroman, der das Leben von Menschen meherer Generationen im engen Zusammenleben umfasst.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (2)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Lebensfreude" (Gedichte)

Weitere Beiträge von Leonhard Ried

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Die schöne Frau aus China! von Leonhard Ried (Humor - Zum Schmunzeln)
Brombeerwein von Nina Bade (Lebensfreude)
Im Innern von Hans Witteborg (Gedanken)

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen