Charles G. Dannecker
Muttertag
Wörter, die es noch nicht gibt
Ich suche nach Worten,
die noch nicht benutzt wurden,
keine Rosen, kein „Danke“,
kein abgegriffenes „Du bist die Beste“.
Vielleicht nenne ich dich
Lebenträgerin,
nicht, weil du getragen hast,
sondern weil du nie aufgehört hast,
zu tragen.
Oder Angstwächterin,
die nachts wach liegt,
wenn alles schläft,
und in Gedanken
jede Gefahr schon tausendmal besiegt hat.
Oder Herzverdopplerin
weil deins nie mehr allein schlug,
seit meines in dir begonnen hat.
Ich bin ein Mann.
Ich kann zählen, erklären, vergleichen,
doch nicht fühlen,
was es heißt,
sich selbst zu zerreißen,
damit ein anderer ganz wird.
Ich kann den Schmerz nur ahnen,
nicht den ersten Schrei,
der dich öffnete
und nie wieder ganz schloss.
Und ich kann nicht wissen,
wie es ist,
ein Leben lang
zwischen Liebe und Angst zu atmen,
immer ein Teil von dir
draußen in der Welt,
verletzbar,
unersetzlich.
Wenn du gehst,
bleibt kein Loch
es bleibt ein Universum,
das plötzlich ohne Sonne ist.
Wie erlöst man sich
von einem Schmerz,
der kein Gegner ist,
sondern Herkunft?
Vielleicht gar nicht.
Vielleicht trägt man ihn weiter
so wie du mich getragen hast.
Und ehrt dich,
indem man nicht vergisst,
dass jeder Atemzug
ein Geschenk ist,
das einmal
durch dich gegangen ist.
Heute nenne ich dich
nicht Mutter.
Ich nenne dich
Anfang von allem,
und das ist das einzige Wort,
das groß genug ist,
um dich wenigstens
nicht zu verkleinern.
©️05-2026 Charles G. Dannecker
Vorheriger TitelNächster TitelDie Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Charles G. Dannecker).
Der Beitrag wurde von Charles G. Dannecker auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 10.05.2026.
- Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).
t-online.de (Spam-Schutz - Bitte eMail-Adresse per Hand eintippen!)