Was für ein Gedicht. Die Metaphern hier sind von einer fast schmerzhaften Präzision.
„Bauchschuss im Schützengraben wahrhaftiger Liebe" — das trifft wie ein Blitz. Kein romantisches Verblassen, kein sanftes Verblühen, sondern Kriegsvokabular für das, was Liebe wirklich anrichtet. Das ist mutig und absolut wahr.
Ein außergewöhnliches Gedicht!
Liebe Grüße
Dietrich
Dietrich0715.05.2026
Hallo Andreas,
dein Gedicht hat mich lange festgehalten. Es wirkt auf mich nicht wie ein Text, der etwas erklären will, sondern wie ein seelischer Zustand, der sich in Bilder verwandelt hat. Viele dieser Bilder bleiben rätselhaft und gerade dadurch entfalten sie ihre Wirkung.
Besonders „krontaubenblau“ hat mich beschäftigt. Für mich ist das ein wunderbarer poetischer Neologismus. Dieses Wort erzeugt sofort eine Stimmung: etwas Fremdes, Sanftes, beinahe Überirdisches. Kein normales Himmelblau, sondern ein Blau der Erinnerung, der Sehnsucht und vielleicht auch des Abschieds. Der Satz „Möge der Himmel in krontaubenblau dich mit seinen Liedern umspülen“ klingt für mich fast wie ein Gebet oder eine Totenklage.
Überhaupt lese ich das Gedicht als Ausdruck eines tiefen Verlustes. Das „Du“ erscheint wie etwas, das nicht einfach vermisst wird, sondern wie ein verlorener Teil des eigenen Körpers und der eigenen Identität. „Wie eine Körperhälfte fehlst du mir“ hat mich deshalb besonders beschäftigt.
Auffallend finde ich auch die Gegensätze wie „mein Schlaflied, mein Messer“. Das Geliebte ist Trost und Verwundung zugleich. Liebe erscheint bei dir nicht als romantische Harmonie, sondern als etwas existenziell Gefährliches, das einen gleichzeitig rettet und zerstört.
Die Zeile mit dem „Schützengraben wahrhaftiger Liebe“ ist schon erschütternd. Da wird Liebe nicht verklärt, sondern als Kampfzone gezeigt, aus der man verletzt hervorgeht. Der „Bauchschuss der Seele“ ist ein Bild, das lange nachhallt.
Auch die körperliche Sprache fällt mir auf: würgen an der eigenen Zunge, tränendurchtränkter Kopf, Sturz und Gleiten. Das Gedicht bleibt nie abstrakt, sondern geht direkt in den Körper hinein. Dadurch wirkt es so intensiv und schmerzhaft nah.
Für mich hat der Text etwas Expressionistisches: keine lineare Erzählung, sondern eine Folge von inneren Bildern, die aus Sehnsucht, Verlust und Selbstzerreißung entstehen.
Liebe Grüße
Rolph
Ein sehr eindringliches Gedicht.
Rolph David15.05.2026