Ditar Kalaja

onlyfans - premiumzugang

guten abend meine damen und herren
und willkommen bei onlyfans—

also praktisch derselbe abend wie sonst,
nur dass ihr diesmal vorher tickets gekauft habt
um einem fremden mann dabei zuzusehen,
wie er emotional auseinanderfällt.

glückwunsch.
ihr seid der content.

und keine angst—
heute wird sich niemand ausziehen.

außer vielleicht kapitalismus.
aber der macht das mittlerweile sowieso ungefragt
und meistens mit premiumabo.

ich finde onlyfans faszinierend.

nicht wegen nacktheit.

nackte menschen gab’s schon immer.
dafür musste man früher nur einmal zu früh
aus dem saunabereich rauslaufen.

nein—
faszinierend ist,
wie überrascht menschen plötzlich tun.

als hätte das internet gestern erst entdeckt,
dass männer bereit sind,
für frauenkörper geld auszugeben.

diese ganze gesellschaft basiert doch darauf.

werbung?
frauenkörper.

musikvideos?
frauenkörper.

fast jede parfumwerbung?
eine frau läuft langsam durch regen,
als würde feuchtigkeit sexuell übertragbar sein.

aber sobald frauen sagen:

„okay,
dann schickt das geld direkt an mich“

bekommen plötzlich alle moralische schnappatmung.

als hätte patriarchat plötzlich festgestellt,
dass paypal existiert.

und natürlich sind dort hauptsächlich frauen.

weil frauen seit jahrhunderten lernen,
dass ihr körper gleichzeitig problem
und kapitalanlage ist.

„zieh dich nicht so an.“

aber bitte sexy.

„sei begehrenswert.“

aber nicht zu selbstbewusst dabei.

im grunde erzieht diese gesellschaft frauen
wie überraschungseier:

außen süß, innen kontrolliert.

und wehe, die überraschung gehört plötzlich ihnen selbst.

und ich stelle mir vor,
wie das anfängt.

nicht wie in diesen podcasts
von männern mit kieferlinie und kryptowährung.

sondern eher mit:

„hallo kontostand,
du siehst heute aber bedrohlich aus.“

mit mieten,
bei denen man mittlerweile zusätzlich
eine niere als kaution hinterlegen muss.

mit jobs,
die „junges dynamisches team“ schreiben
und eigentlich burnout in sneaker meinen.

oder obstkorb.
weil nichts moderne ausbeutung besser beschreibt
als eine banane neben emotionalem zusammenbruch.

und plötzlich verdient eine frau mit bildern
mehr geld
als mit drei nebenjobs
und einem chef namens ralf,
der „na lächeln kannste aber trotzdem“
für flirt hält.

und DAS
macht viele wahnsinnig.

nicht die nacktheit.

die tatsache,
dass frauen plötzlich selbst profitieren.

denn solange männer an frauenkörpern verdienen,
nennt man das industrie.

macht die frau das selbst,
nennt man es gesellschaftlichen verfall.

das ist ungefähr so logisch
wie ein kasino,
das plötzlich glücksspiel moralisch bedenklich findet.

und das verrückteste ist:

die lautesten kritiker
sind oft die besten kunden.

tagsüber schreiben sie:

„frauen haben heute keinen stolz mehr.“

und nachts schicken sie 14,99 euro
für ein verschwommenes fußbild
mit herzemoji.

das internet ist wirklich
der einzige ort,
an dem menschen gleichzeitig
moralapostel
und abonnementmodell sein können.

aber vielleicht geht’s dort
gar nicht um sex.

vielleicht geht’s um etwas viel traurigeres.

um aufmerksamkeit.

um dieses kleine
„hey du :)“

weil männer oft gelernt haben,
wie man begehrt—
aber nicht,
wie man sich mitteilt.

wir lernen früh,
wie man cool wirkt.
aber fast nie,
wie man ehrlich klingt.

wir können nach bildern fragen,
aber nicht nach nähe.

also kaufen manche lieber illusionen,
als ehrlich zu sagen:

„ich möchte nicht allein sein.“

und irgendwo sitzt nachts ein mann
vorm handy
und freut sich darüber,
dass eine frau seinen namen geschrieben hat.

obwohl er rational weiß,
dass sie wahrscheinlich gleichzeitig
noch 46 anderen „na du ❤️“ schreibt.

aber einsamkeit
war noch nie besonders gut in mathematik.

und irgendwo sitzt eine frau
mit ringlicht im gesicht
und verkauft das gefühl,
gesehen zu werden.

wahrscheinlich selbst müde,
selbst einsam,
selbst nur einen algorithmus entfernt
vom vergessenwerden.

weil das heutzutage
offenbar das wertvollste gut geworden ist.

nicht gold.
nicht öl.
nicht bitcoin.

aufmerksamkeit.

und maybe ist onlyfans deshalb
gar nicht die moralische apokalypse.

sondern einfach nur
die ehrlichste app der gen z ist

weil dort wenigstens offen ausgesprochen wird,
was überall sonst heimlich passiert:

menschen machen sich zur ware,
damit irgendwer hinsieht.

körper gegen klicks.
nähe gegen geld.
einsamkeit im monatsabo.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 15.05.2026. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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In meinen Gedichten, schreibe ich mir meine eigene Realität, meine Träume auch wenn sie oft surreal, meistens abstakt wirken. Schreiben bedingt auch meine Sprache, meine Denkmechanismen mein Gefühl für das Jetzt der Zeit.

Ich vernehme mich selbst, ich höre tief in mich rein, bin bei mir, hier und jetzt. Die Sprache ist dabei meine Helfershelferin und Komplizin, wenn es darum geht, mir die Wirklichkeit vom Leib zu halten. Wenn ich mein erzähltes Ich beschreibe, beeinflusse, beschneide, möchte ich begreifen, wissen, welche Ursachen Einflüsse bestimmte Dinge und Menschen auf mein Inneres auf meine Handlung nehmen, wie sie sich integrieren bzw. verworfen werden um mich dennoch im Gleichgewicht halten können.

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