Patrick Rabe

Rote Gedichte

Hier aus aktuellem Anlass zwei politisch getaktete, ältere Gedichte von mir. AfD raus aus Erfurt! AfD-Verbot jetzt!

Übrigens: Das Hängeauge in meinem zweiten Gedicht ist nicht Karl Dall, sondern Thilo Sarrazin.


Rotfront

 

Fast zwanzig Jahre sehr gut gelebt,

vom Kapitalismus luftdicht verklebt,

gefressen, geschissen und konsumiert,

gleichgültig gemacht und angeschmiert.

 

Doch dann fängt es an, die Gelenke zu wetzen,

das Märchen beginnt sich, sacht zu zersetzen,

die Armen, die Penner, die Psychos und so,

die werden in diesem System nicht so froh.

 

Da reck ich den Arm und die Faust ist geballt,

Herz, es schlägt links, ja, und "rot" heißt "verknallt".

Ich schwöre, ich lasse mich nicht mehr benutzen

und werde den Bonzen den Rattenschwanz stutzen.

 

Gerade, als ich dieses in mir beschlossen,

da werde ich hinterrücks angeschossen.

Ein kleines Piepvögelchen flüstert mir ein,

ich bräuchte ganz dringend was Brot und was Wein.

 

Und außerdem läg das Problem in der Birn',

die Lösung des Ganzen sei tief im Gehirn,

ich fände sie schon, wenn ich gründlich nachdenke,

und mich ganz ganz tief in mein Inn'res versenke.

 

Die Straße des Irrsals , ich bin sie gegangen,

war jahrelang in der Seele befangen,

doch alle die Knallos auf Selbstfindungstrip

sind out of the game, da gibt's kein zurück.

 

Zum Glück sah ich einige richtig entgleisen,

da wusste ich, so will ich nicht weiter reisen.

Erleuchtung wird allzuschnell zu 'ner Psychose,

erst Jesus, dann Hackfleisch in irgend 'ner Dose.

 

Die Matrix des Kapitalismus ist fies,

sie brät selbst integerste Leute am Spieß,

sie weckt dir Bedürfnisse, die du nicht hast,

und fügt dich ins Puzzle ein, wie es ihr passt.

 

Doch jetzt hat sie mich lang genug angeeiert,

den Schaum trinkt der letzte am Schluss, wenn man meiert,

ich piss auf die Lügen, die ich lange geglaubt

und hol mir zurück, was man mir fast geraubt.

 

Mein Gehirn, mein Verstand, meine klaren Gedanken.

Jetzt stehe ich fest, ohne wanken und schwanken.

Für das, was ich glaube, da stehe ich ein,

bin ein Mensch mit 'ner Seele, kein gevögeltes Schwein.

 

Eure Lügen, die kotze ich euch vor die Füße,

"Die Internationale" heißt meine Süße.

Doch auch Marx und auch Lenin sind längst schon verscharrt,

bin links und modern, ohne Karls fetten Bart.

 

© by Patrick Rabe, 12. 7. 2017.

 

Rot wie deine Augen so blau

Roter Mohn lacht mir schon,
ich sitz auf dem Thron,
keine Ampel sagt "Landen, genau!"
Doch das Raumschiff landet sacht,
ALF hat sich ins Hemd gemacht,
rot, wie deine Augen so blau.

Rot wie deine, rot wie meine,
rot wie deine meine Gaugeln so Frau;
Boot vom Rheine, von der Seine,
Brot wie deine Blaugen so grau.

Deine Titten sind nicht echt,
von denen wird mir schlecht,
ich sag, "Schraub sie ab, ja genau!
Und ich bitt dich, sei so nett,
leg sie neben das Bett,
rot, wie deine Augen so blau.

Ref.

Beckenbauer ist ein Mann,
der lügen gut kann,
da ist er gleichauf mit Merkel-Kanzlerfrau,
vielleicht bringt's 'n Bonuspunkt,
pflegt er Flüchtlinge gesund,
rot, wie deine Augen so blau.

Ref.

"Nazis raus, Nazis raus!"
steht groß auf dem Haus,
die Leiter gelehnt an den Gau,
Doch "Juda verrecke!"
steht klein in der Ecke,
rot, wie deine Augen so blau.

Ref.

Manch ein Sarazen'
kann Minarette schon seh'n,
die sie im deutschen Land bau'n
auch Hängeauge wird
mal schnell exhumiert,
rot, wie deine Augen so blau.

Ref.

Ich rufe: "Na toll,
wir sind hier schon voll!
Bei Aliens wird uns nur flau."
Und das Raumschiff schwirrt ab,
roter Mohn macht dich schlapp,
rot, wie deine Augen so blau.

© Patrick Rabe, 2015

Übrigens nehme ich an, dass ersteres Gedicht mir Polizei und Staatsschutz aufs Haus hetzte, weil man- verbunden mit politischen Aktionen, die ich damals machte, wissen wollte, wie ich ticke. Ich schrieb es ja auch unmittelbar nach dem G20-Gipfel in Hamburg. Ich bereue meine roten Gedichte nicht, selbst wenn ein nicht enden wollender Trail aus Verhaftungen und Psychiatrieunterbringungen die Folge war. Dass unser Staat in acht Jahren nicht herausfinden kann, dass eine Person keine Gewalt anwendet, ist traurig. Ich gelte immer noch als Gefährder.

 

 

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