Dietrich Pietsch
Doktor spielen
Kleine Schritte hallen auf Kacheln.
Ein Ruf nach der Mutter. Keine Antwort.
Neonlicht summt im Takt des Flackerns.
Es riecht nach Chlor. Nach Urin.
Ein Stopp vor der klinkenlosen Tür.
Der Spalt gibt den Blick frei.
Sie sitzt neben dem Porzellan,
den Kopf abgeknickt.
Ihr Doktorspiel. Schon wieder.
Danach schläft sie immer.
Aus der Vene ragt die Nadel,
halb herausgerutscht.
Ein Tropfen Blut am Einstich.
Sie liegt ganz still –
nur das Gluckern im Siphon.
Das Kind lässt sich auf die Fliesen sinken.
Dicht neben ihr.
Der Strohhalm taucht ins Fläschchen,
in die Seifenlauge.
Das Kind pustet sacht.
Versucht, die Blasen einzufangen.
Schillernde Regenbogen steigen auf,
zerplatzen lautlos an der Wand.
©dietrichpietsch – 07/2026
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 07.07.2026.
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