Ditar Kalaja

vier sekunden

vier sekunden

applaus.

nein, wirklich.

applaus.

aber nicht für mich.

für geld.

geld hatte ein unfassbares jahr.

18,3 billionen dollar.

ich weiß nicht, wie es euch geht, aber sobald jemand „billion“ sagt, schaltet mein gehirn in den selben modus wie bei der steuererklärung.

ich nicke einfach.

klingt plausibel.

18,3 billionen.

das sind so viele nullen,
dass selbst excel irgendwann sagt:
„komm, verarsch jemand anderen.“

und trotzdem sitzen irgendwo menschen,
die auf diese zahl schauen und sagen:

„ja.

war solide.“

2,5 billionen dazu.
in einem jahr.

das ist kein vermögenswachstum.

das ist ein bug im kapitalismus,
den alle für ein feature halten.

und das schönste ist:

dieses kleine plus...
dieser winzige zuwachs...

entspricht fast dem gesamten vermögen
der ärmeren hälfte
der menschheit.

4,1 milliarden menschen.

vier komma eins milliarden.

das ist ungefähr jede zweite person,
die heute atmet.

zusammen.

alles.

häuser.
ersparnisse.
schmuck.
land.
ziegen.
fahrräder.
das sparschwein von oma.
der fünfziger unter der matratze.

alles zusammen.

ein gutes geschäftsjahr.

und wir nennen das...

wirtschaft.

...

ich liebe dieses wort.

wirtschaft.

klingt nach brot.

nach handwerk.

nach etwas ehrlichem.

dabei bedeutet es inzwischen oft nur:

wer hat den größeren staubsauger,
um noch mehr geld nach oben zu saugen.

16 prozent wachstum.

dreimal schneller
als in den fünf jahren davor.

das ist nicht mehr reich.

das ist geld auf koks.

und irgendwo steht dann wieder so ein motivator auf einer bühne.

mit headset.

zu engen sneaker.

und einem mikrofon,
das mehr gekostet hat als mein konto.

und sagt:

„du musst größer denken!“

nein.

ihr müsst kleiner horten.

das wäre mal innovativ.

...

elon musk.

natürlich elon musk.

weil jede dystopie irgendwann
bei elon musk landet.

elon musk verdient
in vier sekunden

so viel

wie ein durchschnittlicher mensch
weltweit

in einem ganzen jahr.

vier sekunden.

ich mach das mal.

eins.

zwei.

drei.

vier.

zack.

jahr vorbei.

herzlichen glückwunsch.

du hast gearbeitet.
du hast gekocht.
du hast geliebt.
du hast geweint.
du hast gehofft.

und irgendwo
hat jemand in derselben zeit
versehentlich mehr verdient,
als du jemals sehen wirst.

aber keine sorge.

das liegt bestimmt daran,
dass er härter arbeitet.

wahrscheinlich tippt er schneller.

wahrscheinlich schläft er effizienter.

wahrscheinlich hat sein kaffee
ein eigenes investmentportfolio.

oder...

und jetzt wird's wirklich verrückt...

vielleicht...

ist das system kompletter quatsch.

ich weiß.

gewagte these.

seit 2020
ist das vermögen der milliardär*innen

um 81 prozent gestiegen.

  1.  

wisst ihr noch?

lockdown.

masken.

angst.

einsamkeit.

klatschen vom balkon.

wir standen da.

haben pflegekräften applaudiert.

und während wir geklatscht haben,

hat das geld zurückgewunken.

81 prozent.

krisen sind faszinierend.

für manche bedeuten sie:

„wie bezahle ich morgen die miete?“

für andere:

„welche yacht nehmen wir für die zweite yacht?“

fast die hälfte der welt
lebt von weniger
als 8 dollar 30
am tag.

8 dollar 30.

das ist bei uns ungefähr:

ein fancy kaffee,
dessen milchschaum
mehr persönlichkeitsentwicklung hatte
als ich.

8 dollar 30.

für essen.

für wohnen.

für medizin.

für leben.

und dann kommt irgendwo ein wirtschaftsexperte
im fernsehen

und erklärt mit ernster stimme:

„wir müssen den gürtel enger schnallen.“

welchen gürtel?

die leute tragen längst das letzte loch.

aber schön,
dass der typ mit der rolex
über verzicht spricht.

mein favorit kommt jetzt.

haltet euch fest.

die ärmere hälfte der welt

besitzt

0,52 prozent

des weltweiten vermögens.

null.

komma.

fünf.

zwei.

ehrlich.

das klingt nicht nach statistik.

das klingt nach akku.

„ihr wohlstand beträgt noch 0,52 prozent.

bitte schließen sie ein ladegerät an.“

das reichste prozent besitzt dagegen

43,8 prozent.

ein prozent.

fast die hälfte.

das ist,
als würden zehn leute pizza bestellen.

einer isst elf stücke.

die anderen dürfen am karton riechen.

und dann sagt der,
der elf stücke gegessen hat:

„ihr müsst einfach unternehmerischer denken.“

danke, thorsten.

ich wusste gar nicht,
dass mein problem
nicht hunger,
sondern mindset ist.

überhaupt liebe ich diese sprüche.

„jeder ist seines glückes schmied.“

klar.

manche bekommen halt einen amboss.

andere einen plastiklöffel.

„jeder kann es schaffen.“

ja.

wenn das spiel beginnt,
nachdem der eine schon im ziel ist.

und trotzdem erzählen sie uns,
wir würden im selben rennen laufen.

nein.

wir laufen nicht dasselbe rennen.

ihr lauft mit rückenwind,
privatjet,
steuerberater,
erbe
und startkapital.

die anderen laufen barfuß.

bergauf.

mit einem rucksack voller rechnungen.

und jemand ruft vom gipfel:

„streng dich halt mehr an!“

wisst ihr,
was das verrückteste ist?

nicht,
dass menschen reich sind.

nicht,
dass menschen erfolgreich sind.

sondern,
dass wir diese zahlen hören...

und sie uns nach drei minuten
schon wieder normal vorkommen.

18 billionen.

81 prozent.

43,8 prozent.

vier sekunden.

wir haben uns an wahnsinn gewöhnt.

wir nennen ihn wirtschaft.

wir nennen ihn markt.

wir nennen ihn sachzwang.

hauptsache,
wir nennen ihn nicht ungerecht.

denn dann
müssten wir vielleicht etwas ändern.

also applaus.

noch einmal.

für geld.

es hat wieder gewonnen.

wie jedes jahr.

aber irgendwann...

hoffentlich...

applaudieren wir nicht mehr denen,
die immer mehr besitzen.

sondern denen,
die sich weigern,
eine welt für normal zu halten,

in der vier sekunden

mehr wert sind

als ein ganzes menschenleben.

 

In diesen 5 min des Textes hat Musk nun ca. 3.750.000  USD Mio verdient 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 08.07.2026. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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In meinen Gedichten, schreibe ich mir meine eigene Realität, meine Träume auch wenn sie oft surreal, meistens abstakt wirken. Schreiben bedingt auch meine Sprache, meine Denkmechanismen mein Gefühl für das Jetzt der Zeit.

Ich vernehme mich selbst, ich höre tief in mich rein, bin bei mir, hier und jetzt. Die Sprache ist dabei meine Helfershelferin und Komplizin, wenn es darum geht, mir die Wirklichkeit vom Leib zu halten. Wenn ich mein erzähltes Ich beschreibe, beeinflusse, beschneide, möchte ich begreifen, wissen, welche Ursachen Einflüsse bestimmte Dinge und Menschen auf mein Inneres auf meine Handlung nehmen, wie sie sich integrieren bzw. verworfen werden um mich dennoch im Gleichgewicht halten können.

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