Rosemarie Gudrun Ziegler
Das alte Leben
Da steht es nun, das alte Leben,
als Schicksal ward ihm vorgegeben,
ein Baum zu sein in einem Wald,
von klein an, doch nun ist er alt.
Von Jahr zu Jahr ist er gediehen,
das Wasser hat ihm Kraft verliehen,
die Sonne ließ die Äste sprießen,
Blattwerk die klare Luft genießen.
Die Rinde trägt verschiedene Narben,
zudem auch noch diverse Farben.
Am Stamm bindet das Moos sich fest,
das sich nicht leicht vertreiben lässt.
Der alte Baum zeigt uns sein Herz,
schaut man es an, spürt man den Schmerz.
Es sieht total geschunden aus,
viel Lebensmut liest man nicht draus.
Auch hat es seinen Platz verloren,
als hätte alles sich verschworen,
ist in die Tiefe es gefallen,
so ist es angreifbar von allen.
Unten am Stamm das Wurzelwerk,
drückt schon den Boden hoch zum Berg.
Der Baum, der sich leicht seitlich neigt,
große Tendenz zum Fallen zeigt.
Wird es den nächsten Herbststurm geben,
kann dieser ihn nicht überleben.
Das Leben hat ihm zugesetzt,
so manches hat ihn auch verletzt.
Starker Wind, der dicke Äste brach,
rüttelte kräftig oft sein Dach.
Gluthitze, die ihn dursten ließ
und auch der Wurm, der zu ihm stieß.
Er ward in vielen Jahren alt,
hat lang die Landschaft mit gemalt.
Wenn er sich bald zur Ruhe legt,
hat er ein Teil vom Wald geprägt.
Er hat die Samen abgeworfen,
woraus das Unterholz geworden.
Hat Vögeln gern ein Heim gegeben,
auch den Insekten Raum zum Leben.
RGZ 9.10.25©
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.07.2026.
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