Rosemarie Gudrun Ziegler
Die Einsamkeit
Wir alle sind soziale Wesen.
Doch leider gibt es unterdessen
zunehmend mehr Einsamkeit,
ein Phänomen unserer Zeit.
Man kann sich schwer verstanden fühlen,
auch wenn man täglich von sehr vielen
Menschen stets umgeben ist,
der größte Teil bleibt Egoist.
Es gibt auch eine Nachbarschaft,
die leider nicht die Tür aufmacht.
Zwar wohnt man meistens dicht an dicht,
doch einer kennt den anderen nicht.
Früher im Tante-Emma-Laden
fühlte man sich nett eingeladen,
ein wenig länger zu verweilen,
sich dort auch selbst mal mitzuteilen.
Man fand ein freundlich offenes Ohr
für sich und seine Sorgen vor.
Die Tasche war am Schluss gefüllt,
die Sorgen waren weggespült.
Kam man in eine Bäckerei,
war damals keine Lounge dabei,
wo man heut sitzt, aufs Handy schaut,
sich so eine Art Schutzwall baut.
Man kaufte Brot und etwas Kuchen,
musste gar keinen Anlass suchen,
sich offen Freundliches zu sagen,
gut für das Herz, gut für den Magen.
In Bussen und in Straßenbahnen
saßen sie alle dicht beisammen.
Man hat erzählt und zugehört,
kein Fahrgast hat sich je empört.
Niemand trug Stöpsel in den Ohren,
so ging auch kein Kontakt verloren,
die Unterhaltung heut versinkt,
weil kein Wort zu den Ohren dringt.
Man stand auch in den alten Zeiten,
sich oft und gern hilfreich zur Seiten,
es fühlte niemand sich allein,
konnte so gar nicht einsam sein.
RGZ 20.12.24©
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 31.07.2026.
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