Heiko Buchmeier
Der schlafende Fluss
Der Fluss hing seinen Gedanken nach,
von Zeit zu Zeit einen Stein vor sich her schubsend
oder sich um einen Ast teilend,
der ihm vom Ufer ins Gesicht ragte.
Er spielte ein wenig mit den Fischen
und kam an eine Stelle,
die ihm so viel Platz bot,
dass man ihn leicht mit einem See
hätte verwechseln können.
Hier kam er zur Ruhe,
und schließlich schlief er ein,
von der Zeit träumend,
in der er noch ein lustiges Bächlein war,
lustig über Steinchen sprang
und von Gräsern gekitzelt wurde.
Er bemerkte kaum,
dass er sich an einer Stelle etwas schneller fortbewegte,
und plötzlich wachte er auf –
prustend, platschend und schäumend.
Während er träumte, ein Bächlein zu sein,
war er zum reißenden Strom geworden
und hatte das Meer erreicht.
„Da werde ich wohl nicht weiter auffallen“,
dachte der Fluss,
die gewaltigen Massen des Meeres bewundernd,
und schlief weiter.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 05.08.2026.
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