Leonhard Ried
Zwei Begegnungen zu nächtlicher Stunde!
Gestern Abend habe ich
eine neue Bekanntschaft gemacht.
Eine Frau, die gut aussieht
und durchaus männererfahren ist -
sie hat immerhin drei Kinder
im Alter von 30, 37 und 40 Jahren -
lebt seit vielen Jahren ohne Mann.
Gelegentlich hätte sie zwar gerne jemanden,
der sie in den Arm nimmt
oder mit dem sie mal reden kann.
Dann sagt sie jedoch einen Satz,
der mich aufhorchen hat lassen:
"Ich bräuchte einen Mann,
den ich zwischendurch
in die Besenkammer stellen könnte!"
Dieser Satz hat einen starken Eindruck
bei mir hinterlassen.
Früher hatte sie mal einen Friseursalon,
später hat sie nur mehr in Kneipen gejobbt.
Eigentlich ist sie schon im Ruhestand.
Aber die Arbeit in der Kneipe
ist für sie eine willkommene Abwechslung.
Sie hat einen schönen Namen,
den ich aber nicht verrate.
Wie bin ich nun an diese Frau geraten?
Ich flanierte in der Dämmerung
die Ulmer Straße entlang.
Von der gegenüberliegenden Seite
erklang heiße Musik.
Vor den verschiedenen Lokalitäten
saßen Personen,
die ich zwar nicht genau erkennen konnte,
die sich aber lebhaft miteinander unterhielten.
Womöglich verspürte ich eine Sehnsucht
nach menschlicher Gesellschaft,
die mich von meinem gewohnten Weg abweichen ließ.
Die Menschen, die ich hier vorfand,
hatten schon kräftig gebechert.
Jedenfalls mussten sie der Wirtin
hohe Beträge entrichten.
Die Wirtin setzte sich bald neben mich,
um eine zu rauchen.
Und ein Wort gab das andere.
Vor mir stand eine Flasche Pils mit Glas.
Unser anregendes Gespräch
fand jedoch ein vorzeitiges Ende.
Eine Frau, die in der örtlichen Kirche engagiert ist,
kam zufällig vorbei.
Sie war etwas erstaunt,
mich in dieser etwas ungewöhnlichen Umgebung zu finden.
Aber schon bald hatte sie den Platz der Wirtin eingenommen.
Wir unterhielten uns sehr angeregt,
auch über sehr persönliche Dinge.
Danach legten wir miteinander
noch einen Teil des Wegs zurück,
der uns durch die Dunkelheit
nach Hause führen sollte.
Der ungewohnte Alkoholgenuss
hatte mich mitteilsam und nahbar gemacht.
So nahm ich sie beim Abschied
einfach in den Arm.
Das war ein durchaus mutiges Unterfangen.
Auch sie scheint das nicht mehr gewöhnt zu sein.
Von ihrem Leib habe ich gar nichts gespürt.
Eigentlich kam mir nur
ein Knochengestänge entgegen.
Trotzdem haben mich
die beiden Begegnungen sehr gefreut.
Ich habe die beiden Frauen danach
einfach wieder "in die Besenkammer" gestellt. Vorheriger TitelNächster Titel
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 12.08.2026.
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