Liebe Hanna,
Raben tragen seit jeher eine doppelte Symbolik, die sich in deinem Gedicht widerspiegelt:
In vielen Kulturen gelten sie als Totenvögel.
In der nordischen Mythologie begleiten Hugin und Munin (Odins Raben) den Tod und das Kriegsgeschehen.
Gleichzeitig gelten Raben als hochintelligent.
Odins Raben tragen nicht zufällig die Namen "Gedanke" und "Erinnerung" – sie fliegen aus, sammeln Wissen über die Welt und bringen es zurück.
In deinem Gedicht verbindest du genau diese beiden Stränge – "Boten des Todes" und "Chronisten kollektiven Wissens" – und lässt sie gegeneinander stehen: Die Vögel, die dich überleben werden, sind sowohl Erinnerung als auch Erinnerung an die eigene Endlichkeit.
Ein schönes Wochenende wünscht dir
Dietrich
Dietrich0721.08.2026
Guten Morgen Hanna, mich hat vor allem der letzte Satz getroffen: „das ist kein Trost“. Bis dahin könnte man das Gedicht fast als eine Betrachtung über die erstaunliche Überlebensfähigkeit der Raben lesen, als hätten sie etwas bewahrt, das uns verloren geht: Erinnerung, Wissen, vielleicht sogar eine Form von Weisheit. Und dann verweigert das Gedicht genau daraus jede tröstliche Pointe.
Besonders eindrucksvoll finde ich deshalb auch den Wechsel von „uns“ zu „mich“. Erst ist es eine Frage nach dem Überleben der Menschheit, dann wird sie plötzlich persönlich und unausweichlich. Die Rabenvögel bleiben; der einzelne Mensch nicht.
Und „schwarze Chronisten“ gefällt mir sehr. Sie beobachten, überdauern und tragen gewissermaßen die Geschichte weiter, aber eben ohne uns. Vielleicht liegt genau darin die Kälte des Gedichts: Es gibt etwas, das uns überlebt und sogar Wissen bewahren könnte, aber für den Einzelnen ist das kein Weiterleben.
Der Schluss ist deshalb angenehm unversöhnlich. Du versuchst nicht, aus dem Gedanken an die eigene Endlichkeit noch schnell einen Trost zu machen. Und gerade das macht ihn glaubwürdig.
Liebe Grüße
Rolph
Rolph David22.08.2026