Chandrika Wolkenstein
Bevor der Blick entscheidet
Wenn die Seelevor dem Körper sichtbar würde,
könnte Güte
die Luft verändern,
noch ehe jemand spräche.
Aufrichtigkeit
hätte einen klaren Ton.
Hochmut
einen metallischen Nachgeschmack.
Verlässlichkeit wäre Schwerkraft -
in ihrer Nähe
fiele nichts ins Bodenlose.
Wir sähen den Mut
nicht an seiner Lautstärke,
sondern an dem,
was er beschützt.
Wir sähen Stärke nicht daran,
wie viel sie beherrscht,
sondern daran,
wie viel sie
unversehrt lässt.
Schön wäre,
wer den Schmerz kennt
und ihn nicht weiterreicht.
Wer nicht verkleinern muss,
um Größe zu besitzen.
Wer enttäuscht wurde
und dennoch nicht verlernt hat,
behutsam zu sein.
Dann erst:
Gesicht,
Haut,
Gestalt.
Der sichtbare Teil -
nicht das Urteil.
Schönheit löste sich
vom Glanz.
Sie zeigte sich dort,
wo ein Mensch
im anderen
nichts zerbricht.
Wir könnten lernen,
einander wirklich zu erkennen -
bevor der Blick
für uns entscheidet.
Vorheriger TitelNächster Titel
Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Chandrika Wolkenstein).
Der Beitrag wurde von Chandrika Wolkenstein auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 26.08.2026.
- Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).
t-online.de (Spam-Schutz - Bitte eMail-Adresse per Hand eintippen!)