Dietrich Pietsch
Zwei Räume
Die Wand ist dünn. Dein Spiel dringt
direkt herüber in mein kahles Zimmer.
Ton um Ton kriecht durch den Putz.
Ein leichter Klang steigt aus der Stille
Du schlägst die Tasten sanft.
Ich höre deinen Weg durch graue Straßen,
auf denen sacht der Regen fällt.
Dann ein Zögern –
ein Atemzug verliert sich in dem Raum,
ein stummer Abschied, der den Tag zerbricht.
Ein Finger schwankt auf halbem Weg zur Taste.
Da ist ein Zittern, das im Zimmer hängt,
ein enger Käfig, aus dem du fliehen willst,
und den ich mit dir teile.
Dein Ton erlischt. Der Raum wird wieder weit.
Die Starre bricht im selben Augenblick.
Ich atme den Moment, der dich erlöst,
als fiele auch von mir die Last der Enge.
Das Letzte, was verklingt, ist nackte Stille.
Wir haben diese Nacht uns wund gehört.
Zurück bleibt nur die Wand, die starr besteht,
und dieses Schweigen, das uns jetzt vereint.
©dietrichpietsch – 08/2026
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.08.2026.
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