Ingrid Bezold
Einsamkeit
Draußen vor der Tür geschieht das laute Leben,
das du nicht vermisst,
aber die laute Stille im Raum schmerzt.
Du hast Zeit.
Zeit, die niemand mit dir teilt.
Ein flüchtiges " wir sehen uns " noch im Ohr
belächelst du milde.
Du hast keine Kinder, keine Geschwister.
Die Freunde, die dir treue Wegbegleiter waren, sind tot.
Bekanntschaften, die du im Alter schließt,
füllen ein paar Stunden mit Geselligkeit.
Sie finden dich interessant und sympathisch.
Wer du wirklich bist, interessiert sie nicht.
Bald zieht der Herbsnebel ins Land
und in dein Gemüt.
Du kramst in den Schubläden nach Schätzen,
die du all die Jahre aufbewahrt hast
und stellst resigniert fest,
dass du niemanden hast,
der ihren Wert ermessen kann.
Du hast niemanden,
der dich vermisst
im Jetzt und danach.
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Vorweihnachtszeit
Du schmückst dein Heim weihnachtlich.
Apfelzimtduft und Geborgenheit.
Ein Früher,das es nicht mehr gibt.
Der Nachbar bringt Post.
Für einen Espresso fehlt die Zeit-
seine Frau wartet im Auto.
In drei Tagen ist Weihnachten.
Du packst deinen Koffer.
Flucht aus der Einsamkeit.
Ein Hotelbett in den Bergen.
Galamenü
und Weihnachtslieder unterm Baum.
Menschen, die dir Gesellschaft leisten
für ein paar Tage.
Zuhause wartet niemand.
Vor der Tür
ein roter Weihnachtsstern,
wie jedes Jahr
und wieder ein Rätsel,
wer ihn hingestellt haben könnte.
Vielleicht jemand,
vor dessen Tür nur der Fussabtreter liegt....
*
08/2026
Foto und Worte (C) Ingrid Bezold
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 29.08.2026.
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