Janna Ney

Das Mienenspiel

Als Kind hast du ein ehrliches Gesicht;

es zeigt Gefühle, nackt und unverstellt.

Ob Wut, ob Freude, Angst, ob Zuversicht,

die Miene projiziert gefühlte Welt.
 

Im jugendlichen Alter lernst du schnell,

bestimmte Wesensseiten zu verstecken;

verbirgst dich hinter Masken: freundlich, hell,

um bei den anderen nicht anzuecken.

 

Sie klebt an dir wie eine zweite Haut;

nur selten darf ein Mensch dahinter schauen;

was sich in manchem Kopf zusammenbraut,

ist hin und wieder nicht gut zu verdauen.

 

Dann irgendwann gehörst du zu den Alten;

das Leben stanzte deine Eigenarten

gut lesbar in dein Antlitz zu den Falten.

Du spielst jetzt nicht mehr mit verdeckten Karten.

 

 

Bild zum Gedicht Das Mienenspiel

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 02.09.2026. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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Der Stieglitz hat ´ne Meise: Gedichte von Jana Hentzschel



Aus dem Wald in die Pfanne ... Tief unterm Büschel Gras versteckt, mit einem Blatt noch abgedeckt, beobachtet ein Pilz im Wald so manch befremdliche Gestalt. Sie schlurfen, ein paar trampeln auch, in Stiefeln und 'nem Korb vorm Bauch, das scharfe Messer in der Hand, den Blick zum Boden stets gewandt. Ein Freudenschrei, ein scharfer Schnitt, so nehmen sie Verwandte mit; und der versteckte Pilz, der weiß, im Tiegel ist es höllisch heiß. So brutzeln aber will er nicht! Da bläst ein Sturm ihm ins Gesicht, es rauscht und wirbelt ringsherum, schon bebt der Wald - ein Baum fiel um. Genau auf seinen Nachbarn drauf. Das ändert seinen Denkverlauf: "Welch übles Ende: Einfach platt! Da mach' ich lieber Menschen satt." Drum reckt er sich aus dem Versteck, er will jetzt plötzlich dringend weg: "Vergesst mich nicht! Ich bin gleich hier und sehr bekömmlich, glaubt es mir."

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