Besondere Überraschung

In Wald und Feld da ist es weiß
Und jeder denkt: “Was soll der Scheiß?.
Wo ist sie hin, die Blumenwiese?“
Und auch die sonst so kecke Liese,
Die meistens nur ein Röckchen trägt,
Das ´grade mal den Po bedeckt,
zieht sich den langen Pulli an.
So eingepackt schaut doch kein Mann
Mehr nach den schönen langen Beinen.
Und Lieschens Herz fängt an zu weinen,
Weil diese Kluft den Blick verdeckt,
Wonach sonst jeder Mann sich streckt.
So bleibt ihr nichts als da zu hocken
In selbstgestrickten Baumwollsocken.

Und wie sie sitzt bei Kerzenschein,
Gießt sich ein Gläschen Glühwein ein.
Da klingelts an der Wohnungstür.
“Nanu?“ denkt sie, “Es ist halb vier.
Wer hat um diese Zeit was vor?“
Da ruft es in den Korridor
“Hoho, ich bin der Nikolaus
Laßt mich hinein in euer Haus!“
Sie stutzt, denkt nach und öffnet dann
Die Tür für diesen Weihnachtsmann.
Was er in seinem Sacke trägt,
Ihr auch sehr schnell das Wort verschlägt.
Ist`s nicht gerade so ein Stück,
Was ihr die Wärme bringt zurück
Und Schmetterlinge drin im Bauch
genau wie starkes Beben auch.
Das was der Mann der Liese gibt
Ist alles das, was sie so liebt
Und ihn dann nicht mehr gehen läßt.
Es wird ein tolles Weihnachtsfest !

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 04.12.2004. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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Zwei sensible Frauen, die sensible Gedichte schreiben. Beide schürfen tief. Da bleibt nichts an der Oberfläche. Beide schöpfen aus ihrem emotionalen Reichtum und ihrem souveränen Umgang mit Sprache. Dabei entfalten sie eine immer wieder überraschende Bandbreite: Manches spiegelt die Ästhetik traditioneller formaler Regeln, manches erscheint fast pointilistisch und lässt viel Raum für die eigenen Gedanken und Empfindungen des Lesers. Ein ausgefeiltes Sonett findet sich neben hingetupften sprachlichen Steinchen, die, wenn sie erst in Bewegung geraten, eine ganze Lawine von Assoziationen und Gefühlen auslösen könenn. Bildschön die Kettengedichte nach japanischem Vorbild! Wer hier zunächst über Begriffe wie Oberstollen und Unterstollen stolpert, der hat anhand dieser feinsinnigen Texte mit einem Mal die Chance, eine Tür zu öffnen und - vielleicht auch mit Hilfe von Google oder Wikipedia - die filigrane Welt der Tankas und Rengas zu entdecken. Dass Stefanie Junker und Monika Wilhelm sich auch in Bildern ausdrücken können, erschließt an vielen Stellen eine zusätzliche Dimension [...]

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