Anette Esposito

Harry - Edelpenner



Den Kopf gesenkt, sein Blick verloren,
sitzt er auf einer Bank.
Mit kalten Händen, blau gefroren,
so hat er sie schon lang.

Ein alter Schlafsack neben ihm,
sein Mantel arg verschlissen.
Vor seinem Leben will er flieh’n,
er findet es beschissen.

Per Pedes und per Autostop
war er in jeder Stadt.
Er ist ein Penner, doch nicht grob,
der keine Bleibe hat.

Die Schuhe sind längst abgelaufen,
so wie das Bier in seiner Hand.
Vor Jahren fing er an zu saufen
bis er sich in der Gosse fand.

Trotzdem ist er nicht irgendwer,
man kennt ihn in der Szene,
nennt ihn Harry – Edelpenner
mit langer, grauer Mähne,

gebildet und von feiner Art
mit einem guten Herz.
Tränen tropfen auf den Bart,
er möchte heimatwärts.

Er hat das ew’ge Wandern satt,
ohne Ziel und Sinn,
die Augen rot, vom Fusel matt,
träumt er so vor sich hin.

Von Friedenssehnsucht übermannt
beschließt er auszusteigen,
will nicht mehr ziehen durch das Land,
vorm Alkohol sich beugen.

Als warmes Licht ins Herz ihm scheint
ein kleines Bibelwort:
„Die Tränen, die du hast geweint,
will ich dir wischen fort.“

Nun steht er auf mit leisem Lachen
und hoffnungsvollem Blick.
Ab heute wird er’s anders machen…

Er fand nach Haus zurück

~~Ae~~

Diesen Harrie gab es tatsächlich. Ich verweise hier auf den autobiografischen Roman "HARRIE" von dem Autor und Schriftsteller Lothar von Seltmann, ein guter Freund von mir. Das Gedicht ist ihm und seiner Familie gewidmet. Ein sehr lesenswertes Buch.

Er starb vor etlichen Jahren in Folge eines Blutsturzes. Sein Urnengrab befindet sich hier auf dem Friedhof im Nachbarort. er hatte ein ganz trauriges Schicksal.
Anette Esposito, Anmerkung zum Gedicht

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 20.01.2005. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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