Irene Lichtenberg

Mutter und Tochter

Mutter und Tochter                                                      
 
Gerade eben noch soo wütend
Vor wenigen Minuten noch so genervt...
Du hast mir wieder einmal meine Grenzen gezeigt.
 
Jetzt liegst du schlafend im Bett, einem Engel gleich,
flößt mir unendlich viel Liebe ein,
lässt mich spüren, wie sehr du mein Leben erhellst.
 
Erschreckend, wie schnell du mich in Rage bringst.
Wie du gekonnt meine Gelassenheit durchdringst,
meine erzieherischen Maßnahmen geschickt unterläufst,
denn du funktionierst nun mal nicht nach Plan.
 
Dich zu lenken ist unglaublich schwer.
Dich zu dirigieren unmöglich.
Wie oft stöhne ich angesichts meiner Ohnmacht,
wie oft schreist du laut ob deiner Ohnmacht.
Wir ringen miteinander um Macht und um Liebe,
reiben uns, streicheln uns, hassen uns.
 
Und manches Mal überrascht uns die Leichtigkeit,
wir sehen uns an und verstehen uns.
Wir sind ein Team und bis in den Tod füreinander da:
Mutter und Tochter – für immer verbunden –
Unsichtbar aber spürbar und vor allem untrennbar.
 
Ich möchte dich beschützen vor allen Unbillen,
dich am liebsten noch einmal ganz in mich aufnehmen,
dich umhüllen mit meinem Leib und meiner Liebe.
Und doch ist meine wichtigste Aufgabe dich loszulassen,
dir Flügel zu verleihen
und irgendwann werde ich dich fortfliegen sehen
mit schwerem Herzen und leeren Händen.
 
Also versuch ich die Momente der Nähe zu genießen,
halte dich zärtlich und küss dich beim Kuscheln.
Doch wenig später höre ich mich schimpfen und fühle den Zorn.
 
Ab und zu halte ich inne,
wenn du mir die Welt, Gott und den Tod erklärst.
Dann frage ich mich, wer von wem lernt.
 
Wenn ich dich ansehe,
könnte ich vor Stolz platzen,
vor Zorn beben,
vor Liebe vergehen.
 
 
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 10.04.2005. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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