Klaus-D. Heid

Das Gewissen

Gab’s im Hotel denn gutes Essen?
Auch ja nichts im Hotel vergessen?
Wie war der Zug durch die Gemeinde?
Was macht die Masse Eurer Feinde?
Wie ist’s, wenn man im Auto sitzt
und auch bei 40 Grad nicht schwitzt?
Was trinkt man heute an der Bar?
Wie war die Frau, die bei Euch war?
Ein bisschen Politik am Rand?
Wie hieß es noch, das arme Land?
Ein bisschen Plausch, nur nicht zuviel.
Am Abend dann ein Pokerspiel?
Zuvor noch etwas debattieren?
Noch etwas dümmlich lamentieren?
Ein Veto hier, ein Veto dort?
Die Zeit ist um; man muss nun fort?
Und was ist bitte nun beschlossen?
Man hat den Aufenthalt genossen?
Und was ist bitte mit der Not?
Was ist mit dem, das uns bedroht?
Was ist mit uns, die wir erwarten,
dass irgendwelche Hilfen starten?
Was sagt Ihr denn zu Hungersnöten?
Was sagt Ihr zu dem Massentöten?
Was wollt Ihr all den Kindern sagen,
die Euch der Heuchelei anklagen?
Sind eure Herzen denn so hart,
dass Ihr nur auf Euch selber starrt?
Ihr wollt nicht helfen. Hab ich Recht?
Euch geht es nämlich gar nicht schlecht.
Euch geht es nur darum, zu leben
und nichts vom Leben abzugeben?
Ihr denkt daran, wie schön es ist,
wenn man im Stehen auf Marmor pisst?
Ihr liegt in kuschelig weichen Betten
und wollt uns Arme gar nicht retten?

Ihr seid der Abschaum dieser Welt,
weil Euch die Blindheit so gefällt.
Ihr seid das Tier, dass uns zerreißt,
weil Euer Gott nur ‚Schweigen’ heißt.
Ihr seid der Tod, der böse lacht,
bis niemand mehr den Mund aufmacht.

Gab’s im Hotel denn gutes Essen?
Auch ja nichts im Hotel vergessen?
Und das Gewissen? Ach, verzeiht!
Ihr habt ja keines.

Tut mir leid!

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