Anna Rachow

Die Maus und das Weihnachtsfest

 
Leis´schaut das Näschen nur hervor,
dann das erste und zweite Ohr.
Flink huscht sie aus dem Loch heraus,
die kleine, unscheinbare Maus.

Hinaus auf die Straße dann geeilt,
an manchem Fenster kurz verweilt,
schnell ausgewichen den trappelnden Füßen
(dass diese Menschen so rennen müssen).

Überall sieht sie müde Gesichter
im schwachen Glanz der Weihnachtslichter.
Warum blicken sie so mürrisch drein?
Können sie nicht mehr glücklich sein?

Da sieht sie eine kleine Gestalt
am Gehwegrand, unsagbar alt.
Traurig spricht sie: „Guter Mann,
schauen Sie sich diese Menschen an!“

Der Alte aus freundlichen Augen blickt
und träge mit dem Kopf nur nickt:
„Du kleines, graues Mausetier-
sie sind nicht mehr so frei wie wir.

Beengt durch des Konsumes Strick -
bald bricht er ihnen das Genick.
Sie wollen viel und teuer kaufen,
und dafür hetzen sie und laufen

tagein, tagaus durch Ort und Stadt,
wo´s alles heut in Massen hat.“
Die arme Maus betrübt das sehr,
das kleine Herz wird schwer, so schwer.

Sie flüstert leise: „Frohes Fest!“
Ihr dies nun keine Ruhe lässt.
Sie wandert weiter durch die Stadt,
da sie noch immer Hoffnung hat.

Sie schaut in Häuser, groß und klein
und denkt: „Wo mag die Liebe sein?
Es darf doch nicht um´s Kaufen gehen!
Ich kann die Menschen nicht verstehen.“

So sucht die Maus nun jedes Jahr,
wo wohl die Liebe ist und war.
Zu jeder Weihnacht geht es so...
Die kleine Maus ward nie mehr froh.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 27.11.2005. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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