Karl-Heinz Fricke

Die Herzbank Ballade

Frei nach Heinz Konsalik
 
Für einen schönen Meeresstrand
ist Sizilien bekannt.
Dr. Riel war schon dreimal dort,
machte Ferien an dem Ort.
 
Als Oberarzt im Krankenhaus
kennt er in Berlin sich aus.
Hundertprozentig engagiert,
die Herzverpflanzung einstudiert.
 
Bei den Experten angesehen,
in der Zukunft wird's geschehen,
und auch gelingen
das Wunder zu vollbringen.
 
Am Strande stand ein kleines Zelt,
für Riel drei Wochen Heim und Welt.
Als guter Schwimmer wohlbekannt
er sich im Wasser oft befand.
Er schwamm herum in der schönen Flut,
denn Schwimmen tut dem Körper gut.
 
In seinem Zelt in einer Nacht
hörte er plötzlich Geschrei und Krach.
An des Doktors Zeltes Wand
weinend ein junges Mädchen stand:
 
"Lieber Herr, beschützen Sie mich,
zwei wilde Kerle verfolgen mich.
Gewaltsam wollten sie mich nehmen,
ich musste mich ganz mächtig schämen.
 
Sonst waren sie nicht übergesonnen,
glücklicherweise bin ich entkommen.
Ich sah gerad' noch einen Mann,
der zu Ihrem Auto rann."
 
Als der Doktor zum Auto kam,
man ihn gleich gefangen nahm.
Das Mädchen hat dann laut gelacht:
"Brüder, wie hab' ich das gemacht?"
 
Sie zwängten ihn in ein Fahrzeug hinein,
ab ging die Fahrt über Stock und Stein.
Ein zerklüfteter Berg tauchte auf,
den fuhren sie langsam hinauf.
Vor einen aus Steinen gebautem Haus,
stiegen sie dann alle aus.
 
Ein Bruder sprach den Doktor an:
"Sie sind sicher ein reicher Mann."
"Keineswegs", sprach Doktor Riel,
im einer Klinik verdient man nicht viel.
 
Außerdem bin ich kein Materialist,
Geld mir nicht sehr wichtig ist.
Meine Bedürfnisse sind klein,
und ich lebe ganz allein.
Ihr habt einen Fehler gemacht,
bringt mich zurück noch heute Nacht!"
 
Da sprach Luigi, einer der beiden:
"Anna mag Sie sehr gut leiden.
Sie möchte sich mit Ihnen verbinden,
eine Bessere werden Sie nicht finden!"
 
Da erwiderte Doktor Riel:
"Eine Ehe ist nicht mein Ziel.
Ich will nur helfen und heilen,
der Menschheit Hilfe erteilen!"
 
Niedergeschlagen sahen sich dann 
die enttäuschten Geschwister an.
Was sollten sie in ihrer Welt
mit einem Doktor ohne Geld ?
 
Polizisten fanden das leere Zelt.
Untersuchuingen wurden angestellt.
Sie suchten vergeblich den Doktor Riel,
den Herzspezialisten aus Berlin.
Sie kamen endlich zu dem Schluß,
dass er ertrunken sein muss.
 
Ein Zeitungsartikel erschien,
dass Doktor Riel aus der Stadt Berlin
vom Erdboden verschwunden wär,
wahrscheinlich ertrunken im Mittelmeer.
 
Ein Ruf ging den Geschwistern voraus,
oft raubten sie Touristen aus.
In Palermo waren sie bestens bekannt,
und die Mafia hatte gleich erkannt,
dass ein bekannter Herzspezialist,
dem Geheimbunde vom Nutzen ist.
Sie waren sich sofort im Klaren,
dass die Geschwister die Entführer waren.
 
Luigi fiel ihnen gleich in die Hände.
Sie folterten ihn bis an sein Ende.
Nachdem er alles gestanden,
kam sein Leichnam abhanden.
 
Es hatte der Don, der Mafiaboss
in Palermo ein großes Schloß.
Dorthin wurde Riel gebracht,
heimlich und leise in der Nacht.
Als Gefangener der Mafia,
er schwarz für seine Zukunft sah.
 
Überaus freundlich wurd' er empfangen,
man stellte nicht gleich an ihn ein Verlangen:
"Sie sind mein Gast, Doktor Riel,
ich mache alles für Sie mobil.
Es gibt keine Limitation,
betrachteten Sie sich als meinen Sohn!"
 
Es wunderte Riel doch sehr,
da kam schon die schöne Tochter daher,
und er musste sich eingestehen,
eine Schönere hatte er nie gesehen.
 
Lächelnd kam der Dondamit raus:
"Sie kommen hier nicht mehr heraus.
Wir zogen einem toten Mann
Ihre Badehose an.
Die Leiche wurde im Meer gefunden
und als Doktor Riel befunden.
 
Offiziell als tot erklärt,
für die Mafia stieg sein Wert,
man sah in ihm den Mann,
der Herzverpflanzungen machen kann.
 
Riel lachte den Don nur aus:
"Hören Sie, da wird nichts draus.
Das alles erfordert sehr viel Zeit,
die Forschung ist noch nicht soweit!"
 
"Die modernste Herzklinik der Welt,
wird gerade für Sie hingestellt.
Sie werden als Chefarzt agieren,
und alles organisieren.
 
Sie werden auf Erden der Erste sein,
der anderen setzt neue Herzen ein!"
"Was sagen Sie mir,
ich bin doch nur ein Gefangener hier!"
 
Die Tochter des Don hörte nur zu.
Der deutsche Arzt ließ ihr keine Ruh'.
Auch dieser sah sie freundlich an.
Ein Juwel war sie für jeden Mann.
 
Hohe Mauern das Grundstück umgaben,
davor ein tiefer Wassergraben.
Darin sah der Doktor viele,
große, hässliche Krokodile.
 
Eines war gerad beim Schmaus,
es sah wie eine menschliche Schulter aus,
die das große Reptil zerbiss,
und mit den Zähnen zerriss.
 
"Doktor sehen sich alles gut an.
Es ist ihr zuhause von nun an.
An ihrer Tür Dr. Morelli steht,
das ist Ihre neue Identität.
Meine Tochter scheint Sie sehr zu mögen
ich gebe dazu voll meinen Segen.
 
Morgen nachmittag fangen Sie dann
mit Verpflanzungen bei Affen an.
Wir hoffen, es wird Ihnen gelingen,
den Menschen Hoffnung zu bringen!"
 
"Nichts werd' ich tun, vergessen Sie das.
Sie wissen gar nicht, wie sehr ich Sie hass'
den großen mächtigen Mafia Don,
ich werde jedoch Ihr Schwiegersohn,
Ihre Tochter ist ein süßes Gift
und gleichgültig bin ich ihr nicht!"
 
Die Verlockung zu arbeiten war riesengroß,
es störten die bösen Umstände bloß.
Als ein gefangener Mann
widerte ihn alles an.
Noch konnte er nicht ahnen,
wie satanisch die Pläne waren.
 
Eine ganz bedeutsame Stunde
machte erstmals die Runde
bei der medizinischen Fakultät,
bei der es um Herzverpflanzungen geht.
 
Ein Doktor in Süd Afrika,
machte dieses Wunder wahr.
Er verpflanzte das erste Herz der Welt,
doch um Erfolg war es schlecht bestellt.
 
Dem Doktor Riel war es gleich klar,
dass es schlecht ums Überleben war.
Es war eine Sensation auf alle Fälle,
begleitet von einer Hoffnungswelle.
 
Der erste Versuch war gemacht auf Erden,
es könnte nur noch besser werden.
Ein Teilherz hatte Barnard genommen.
Riel sollte ein ganzes bekommen.
 
Woher aber sollten die Herzen kommen?
Welchem Körper werden sie entnommen?
Alle Werte mussten genaustens stimmen,
sonst ist es ein nutzlos' Beginnen.
 
Man richtete die Herzbank ein,
indem man junge Männer fing.
Sperrte sie in Zimmer ein,
bis ihnen man zu Leibe ging.
 
Der alte, kranke Millionär,
gab dafür seinen Reichtum her
ein gesundes, junges Herz zu erhalten
und wie ein Junger zu schalten und walten.
 
Ein Riesengeschäft für die Mafia,
die nur die vielen Millionen sah.
Krokodiele  und Löwen verzehrten sogleich,
das übriggebliebene Menschenfleisch.
 
Aus Mailand kam ein alter Mann
totkrank in Palermo an.
Er hatte 3 Millionen Dollar geboten,
für das Herz von einem Toten.
Er wurde jedoch erst später gewahr,
dass es das Herz eines Lebenden war,
dem man ohne jegliches Gewissen
das Herz aus seiner Brust gerissen.
 
Die Herzverpflanzung Dr. Riel gelang.
Der Alte lebte weiter, liebte und trank.
Vier Jahre später fuhr ein Mann,
ihn mit seinem Motorrad an.
Eine Untersuchung wurde vorgenommen
und mit Staunen wurde man gewahr,
er hatte ein neues Herz bekommen,
was allen unverständlich war.
Man gab für sein Leben nichts mehr,
denn die Verletzung war sehr schwer.
 
Er schwieg jedoch verbissen.
Die Mafia wurde nicht reingerissen.
Als später begann die Atem not,
kurz vor seinem sicheren Tod
da erst bekannte er,
wo das neue Herz kam her.
 
Die Gesetzesmühle begann sich zu drehn,
ums Millionengeschäft war es geschehn.
Mit Grauen hatte man gesehn,
was in der Klinik war passiert,
wie man hatte einkassiert.
Der Chirurg wurde gesucht,
und es wurde laut geflucht,
als man ihn nicht fand
und die Verpflanzung verstand.
 
Dutzende Verhaftungen wurden gemacht.
Der Don nahm Zyankali in der Nacht.
Dreiundvierzig Jungen wurden befreit,
für die Mörder hingen Stricke bereit.
Krokodile und Löwen wurden vernichtet,
und nur das Wesentliche wurde berichtet.
 
Mit Loretta, der Tochter des Don
machte sich Riel unschuldig davon.
In England ließ er sich bieder
als einfacher Landarzt nieder.
 
Er dachte oft an jene Nacht,
in der man ihn dorthin gebracht.
Erst viel später fand er heraus,
was wirklich geschah in jenem Haus.
Das nur im Flüsterton im Land
als "Haus der toten Herzen" bekannt.
 
                 Karl-Heinz Fricke   20.12.2005
 
               Anmerkung:  Nachzulesen in dem Konsalik Roman : Haus der toten Herzen. Mein Gedicht      
                                   beschränkt sich auf die herausragenden Stellen des spannenden Romans. 

Vorheriger TitelNächster Titel
 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Karl-Heinz Fricke).
Der Beitrag wurde von Karl-Heinz Fricke auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 20.12.2005. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

Der Autor:

  • Autorensteckbrief
  • karlhf28hotmail.com (Spam-Schutz - Bitte eMail-Adresse per Hand eintippen!)
  • 2 Leserinnen/Leser folgen Karl-Heinz Fricke

  Karl-Heinz Fricke als Lieblingsautor markieren

Buch von Karl-Heinz Fricke:

cover

Isidor was machst du da? von Karl-Heinz Fricke



Eine poetische Reise durch den Humor.
Ein Mutterwitz, der beabsichtigt nicht nur ein Lächeln auf das Gesicht des Lesers zu zaubern, sondern der die Bauch- und Gesichtsmuskeln nicht verkümmern lässt.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (9)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Trauriges" (Gedichte)

Weitere Beiträge von Karl-Heinz Fricke

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Schützenfest Erinnerungen von Karl-Heinz Fricke (Autobiografisches)
Ein harter Schlag von Edeltrud Wisser (Trauriges)
Liebe von Paul Rudolf Uhl (Liebesgedichte)

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen