Sandra Pulsfort
Liebe reißt an meinem Schopf
belagert furchend mein Gesicht.
Der Tage Biss will Einst verdauen
und schafft doch nicht sein Weh zu kauen,
weil Stolz sich aus sich selbst erbricht,
es mundet nicht, mein Selbstgericht.
Die Gestik trägt in ihren Händen,
das Wort, das aus der Haltung spricht.
Sie will die Farce des Scheins beenden
und so der Mimik Zeichen senden,
doch Eitelkeit trägt viel Gewicht,
schreibt ohne Rückrat ihr Gedicht.
In schroffer Ohnmacht, zähem Fühlen
umweht mich stumm der Ruf der Nacht.
Mein Selbstmitleid verlegt Kanülen,
um klagend jenen Sinn zu spülen,
der klebrig sich mir zugemacht,
und mir mein Kreuz selbst dargebracht.
Es spitzt mein Ohr der Nächte Stille,
Verlassenheit hält in mir Wacht,
das Nichts an Laut engt die Pupille,
entzweit klafft in mir Tat und Wille.
Mein Heute fordert ein die Pacht,
des Gesterns, das mein Sein bedacht.
Ich lasse meine Tränen weiden,
sie tropfen auf der Sehnsucht Knopf,
Verschlossen lernt man Hunger leiden,
dem Spiegelbild Grimassen schneiden,
doch schwillt er an, der Feigheit Kropf,
trägt Grämen einen langen Zopf.
Ich bete nachts in meinen Horen,
doch Warten ist der Stimme Tropf,
mein Selbsthass schmeckt schon längst vergoren,
verstopft durch Schweigen alle Poren,
mein Herz liegt unter meinem Kopf,
doch Liebe reißt sich selbst am Schopf.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 20.12.2005.
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