Sandra Pulsfort
Rosenrot und Spatzhirnschaft
| Frau Hölle streut gar märchenhaft, aus Winterwolkenkissen, ihr Rosenrot aus Leidenschaft auf Frost und auf Vermissen. Doch schau wie schnell die Elster gafft und Blätter ins Gefieder rafft. Sie stiehlt des Glücks Kulissen, verbreitet falsches Wissen. Auch Krähen sitzen im Geäst, ihr Schlund ist satt an Fragen. Der Neugier Blick hält Blüten fest, hilft sie zu Markte tragen. Wo niemand Knospen treiben lässt wird selbst Skandal zum Seelenfest. Was kosten fremde Kragen? Zwei Mund voll Unbehagen? Sie löchern jedes Rosenblatt, durchpicken alle Pflanzen, denn Lästern wetzt die Schnäbel glatt, aus Ohren werden Wanzen. Die Spatzen pfeifen durch die Stadt, was niemand echt gesehen hat, doch Neues spitzt die Lanzen, lässt Trug auf Wahrheit tanzen. Was Hans und Gretel wirklich sind steht nicht im Buch geschrieben. Für Märchen ist der Mensch zu blind, doch Vorwitz ist geblieben. So spricht man stets, eh man besinnt, Sensationen in den Wind. Doch Zauber ist uns nie vertrieben: Dornröschen darf den Prinzen lieben! |
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 24.01.2006.
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