Karl-Heinz Fricke

Schicksal

Dies ist die Geschichte von Johann Rist,
der nach Kanada ausgewandert ist.
Elisabeth, sein bestes Stück
ließ in der Heimat er zurück.
 
Sobald er eine Stellung bekommen,
sollte sie gleich zu ihm kommen.
Ermutigend waren die Briefe nicht,
und er hielt's für seine Pflicht
sie darüber aufzuklären,
es könne noch `ne Weile währen.
Das Leben in der neuen Welt
hätt`er sich leichter vorgestellt.
 
Elisabeth verzagte nicht und schrieb:
"Ich warte, denn ich hab dich lieb.
Ich komme, wenn du auf festen Boden stehtst,
und die fremde Sprache du verstehst."
 
Es verging ein Jahr, dann zwei und drei,
und im Wonnemonat Mai
traf seine Elisabeth dann
plötzlich einen anderen Mann.
 
Sie hatte die Hoffnung aufgegeben,
mit Johann noch zusammenzuleben.
Er hatte wohl Arbeit,
aber verdiente nicht viel,
ein Haus zu kaufen war sein Ziel.
Dann erst sollte Elisabeth kommen.
Das hatte er sich vorgenommen.
 
Zweifel quälten Elisabeth.
Der andere war riesig nett.
Zudem war er sehr arbeitsam.
Er schaffte bei der Bundesbahn.
 
Sie schrieb dann Johann einen Brief,
dass sie mit einem andern schlief.
Er möge ihr nicht böse sein
und er möge ihr verzeihn.
 
Johann war nun sehr betrübt,
weil er sie so sehr geliebt.
Er heuerte auf einem Dampfer an,
befuhr die sieben Meere dann.
 
Elisabeth heiratete geschwind,
denn sie bekam ein Kind.
Ihr Mann war gut und schlicht,
aber die große Liebe war es nicht.
 
So lebte sie einträchtig mit dem Mann
und die Tochter wuchs heran.
Eines nachts beim rangieren
musste ein schreckliches Unglück passieren.
 
Sein Fuß verklemmte sich in einer Weiche.
Minuten später war er eine Leiche.
Niemand hörte den Todesschrei,
dann war der Eilzug schon vorbei.
 
Nachdem ein Jahr vergangen war,
flog Elisabeth nach Kanada.
Sie irrte im großen Land umher,
Johann fand sie nimmermehr.
 
              Karl-Heinz Fricke  28.01.2006

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