Karl-Heinz Fricke

Falläppel

Wir waren hungrig und im Wachsen
im letzten Krieg, dem großen.
Es geschah in Niedersachsen,
und ich trug noch kurze Hosen.
 
An jedem Mittwoch Nachmittag
nahm uns der Lehrer Bruno Bach
in den Schulgarten zum jäten und hacken.
Es grüßten die Äpfel mit roten Backen.
 
Immer hungrig und unterernährt
war ein Apfel sehr begehrt.
Der Lehrer warnte mit bösen Blicken,
nur keine Äpfel abzupflücken.
 
Natürlich fanden wir dieses gemein.
Die Lehrer ernteten alles für sich allein.
In der Schulküche hübsch und fein,
machten die Mädchen noch alles ein.
 
Im Garten machte ein Freund einen Fund.
Ein Apfel lag auf grünem Grund.
Den brauchte er nicht pflücken,
er konnte sich aber danach bücken.
 
Das tat der Freund dann auch.
Schon freuten sich Gaumen und Bauch.
Kräftig biß er gleich hinein.
Das brachte ihm dann Watschen ein.
 
Dem Lehrer war es nicht entgangen.
Dem Freunde ist es schlecht ergangen.
Ohne ein erklärend Wort
nahm ihm Bach den Apfel fort.
 
Schlug dem Jungen ins Gesicht.
Der verstand das alles nicht.
Er hatte den Apfel doch nicht gepflückt,
sondern sich nur nach gebückt.
 
Von Falläpfeln sei nicht die Rede gewesen,
deshalb hätt er ihn aufgelesen.
Der Lehrer glaubte es ihm nicht
und schlug ihm nochmals ins Gesicht.
 
Die Erbitterung bei uns war groß.
Was dachte sich der Lehrer bloß.
Er sollte sein Tun bitter bereuen
und sich nicht über die Äpfel freuen.
 
Als man die Sägen hat gemacht,
hat man sich dabei gedacht
Holz damit zu sägen
und auch um Bäume umzulegen.
 
Der schöne Baum, der im Garten stand
unser besonderes Interesse fand.
Da gab`s kein Überlegen
den Baum ganz unten abzusägen.
 
Im Dunkeln dauerte es fast eine Stund'
dann lag der Baum lang auf dem Grund.
Zusammen mit des Baumes Fall
verwandelten sich die Äpfel all.
 
Mindestens dreihundert schön plaziert
wurden zu Falläppeln degradiert.
Richtig hatte Bach gedacht,
wer den Frevel wohl gemacht.
Und jawoll,
Wir stopften uns die Taschen voll.
 
                      Karl-Heinz Fricke  06.02.2006
 
Anmerkung: Dies ist eine wahre Begebenheit an der ich selbst beteiligt war. Verurteilt mich.

Vorheriger TitelNächster Titel
 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Karl-Heinz Fricke).
Der Beitrag wurde von Karl-Heinz Fricke auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 06.02.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

Der Autor:

  • Autorensteckbrief
  • karlhf28hotmail.com (Spam-Schutz - Bitte eMail-Adresse per Hand eintippen!)
  • 2 Leserinnen/Leser folgen Karl-Heinz Fricke

  Karl-Heinz Fricke als Lieblingsautor markieren

Buch von Karl-Heinz Fricke:

cover

Isidor was machst du da? von Karl-Heinz Fricke



Eine poetische Reise durch den Humor.
Ein Mutterwitz, der beabsichtigt nicht nur ein Lächeln auf das Gesicht des Lesers zu zaubern, sondern der die Bauch- und Gesichtsmuskeln nicht verkümmern lässt.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (15)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Erinnerungen" (Gedichte)

Weitere Beiträge von Karl-Heinz Fricke

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Leicht übertrieben von Karl-Heinz Fricke (Humor - Zum Schmunzeln)
Verunsichert von Ingrid Drewing (Erinnerungen)
November-Lichtblick von Rainer Tiemann (Autobiografisches)

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen