Karl-Heinz Fricke
Die Begegnung
Jemand, der nicht irgendwer,
ist ein großer brauner Bär.
Meist meidet dieses Zotteltier
unser menschlisches Revier.
Meine Begegnung mit einem Bär
ist schon ein paar Jährchen her.
Ein dicker Fichtenstamm der lag
quer über unsres Ortes Bach.
Balance haltend in der Mitte,
mit festem Schuh, das ich nicht glitte,
und mit der Angel in der Hand,
ich auf diesem Baumstamm stand.
Am linken Ufer plötzlich stand
das große Tier im Ufersand
und es schaute unverwandt
und wartete, dass ich verschwand.
Jedoch ich dacht' nicht dran zu fliehen
und vor dem Untier Leine ziehen.
Teils bekümmert und teils heiter
angelte ich fleißig weiter.
Der Bär hat lange überlegt
und sich nicht vom Fleck bewegt.
Er schaute mich nur ständig an:
"Wann gehst du endlich, Fischermann?"
Er ging nicht durch die kühle Flut,
vielleicht fehlte ihm der Mut.
So haben beide wir verdutzt
uns angesehen und gestutzt.
Und ich hatte das Gefühl
das Wasser war ihm doch zu kühl,
denn nach einer halben Stund',
wurde es ihm wohl zu bunt.
Er trollte sich nach Bärenart,
mit Blicken hat er nicht gespart.
Ich hatte auf mein Glück vertraut
und Petzlein hat sich nicht getraut.
Wär' er auf mich zugekommen,
hätte ich Reiß-Aus genommen.
Doch tapfer stand ich meinen Grund:
"Ich bin der Herr!", tat ich ihm kund.
Karl-Heinz Fricke 06.03.2006
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 06.03.2006.
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