Sandra Pulsfort
Opfergabe
| Schweigen weint durch die stillen Vokale deiner Worte. Es bewichtet das Blatt des Schicksals, welches von Tränen geweicht an Dichte verliert ohne an Gewicht zu büßen. Atemhauch betrübt die Sicht. Mein Nebelhorn zerbricht am klaffenden Schmerz deines Zungenrisses. Namenlose Ziele rinnen verschwimmend durch heisere Zeichen, aus deren Zwischenräumen Windjammer als Klageschrei ertönt. Ihre traurigen Bögen gehen unter. Versinkend in der Unaussprechlichkeit deines Mundes wässern sie meine Sehnsucht nach vollendetem Klang. Ich wollte die Sprache leeren, schöpfend aus deinem Brunnen mich täglich ihrer erfrischen. Doch Bitterkeit lässt sie zum Standbild erstarren. Du, mein Wort ohne Stimme. Schenkst Blicken Augen, Sinnen Grund und pflanzt doch immer wieder deinen Garten Eden in sengende Ödnis. Gerodete Hoffnung findet kein Erdreich. Würdest du nur endlich alle Tränen opfern, die du dir selbst verschließt, dürften sie in dir schwellen und als Quell der Erkenntnis aus dir sprudeln: Deine Worte würden blühen. Ausgefaserte Lippen plündern die Ernte. Stattdessen frisst der Adler sein Gelege und kreist als trauriger Schatten orientierungslos über die Schlafsäle vergessener Leidenschaft. Vergangenheit spannt sich aus zu dürrer Aussaat müder Schwingen. Sie schreibt Geschichte. |
Vorheriger TitelNächster TitelDas Gedicht "Kalkant" von Gerd Kerkhoff ist als Antwort auf meinen Text zu verstehen und sollte vorzugsweise im Anschluss gelesen werden. Sandra Pulsfort, Anmerkung zum Gedicht
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 10.03.2006.
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