Bernd Rosarius

Depression

O wehe, wehe, wehe,
was ich sehe, was ich sehe.

Ich bin einfach ausgerückt.
Die Körperflucht ist mir geglückt,
und ich habe keine Wahl,
ich sehe alles sehr neutral.
 
O wehe, wehe, wehe,
was ich sehe, was ich sehe.
 
Ich geh' ins Kirchendunkel rein,
um einmal ganz allein zu sein.
Ich möchte mich bekennen,
das Schicksal zu benennen.
Es zieht durch diese Eingangstür,
es friert mich arg, kann nichts dafür.
In meinen Adern pulsiert das Blut,
ich verlor Glaube, Hoffnung und Mut.
Zu Hilfe Gott, so hilf mir doch,
ich bin jetzt hier und bleibe noch.
 
O wehe, wehe, wehe,
was ich sehe, was ich sehe.
 
Vor meinem Auge bunte Kreise,
ein Pastor spricht ziemlich leise.
Global er über alles spricht,
irgendwie versteh ich`s nicht.
Er spricht von Hunger in der Welt,
von Not und Elend und vom Geld.
Mich interessiert das alles nicht,
Schweiß bedeckt mein Angesicht.
Was soll ich tun, was soll ich machen,
ich möchte wieder einmal lachen.
Schaut mich an wie ich hier sitze,
wie ich mal friere und mal schwitze.
 
O wehe, wehe, wehe,
was ich sehe, was ich sehe.
 
Mein Antriebsmotor schweigt,
ich halt' den Kopf geneigt.
Mein Körper ist geschrumpft,
mein Wille abgestumpft.
Die Gedanken sind verschwommen,
die Kraft ward mir genommen.
Hier sitzt ein Menschenhaufen,
kann nur noch Bücklings laufen.
Mein Rückgrad ist gebrochen,
ganz brüchig auch die Knochen.
 
O wehe, wehe, wehe,
was ich sehe, was ich sehe.
 
Gott hilf mir armen Sünder gehen,
zumindest hilf mir wieder stehen.
Ich bin ein Mensch der schwach hier sitzt,
den Namen in die Holzbank schnitzt,
der nicht mehr weis wofür er lebt.
Kein Ziel mehr kennt, nachdem er strebt.
Ich spüre nicht Gott – Vater – Sohn.
Ich spüre tiefe Depression,
und das manchmal wochenlang,
so hilf mir Gott, ich bin doch krank.
 
O wehe, wehe, wehe,
was ich sehe, was ich sehe.
 
Ich werfe nach dir den ersten Stein,
lässt du mich weiterhin allein.
Bleibst du auf Dauer weiter stumm,
bring' ich mich sehr bald um.
Dann werd ich wissen noch zum Schluss,
ob man an dich glauben muss.
Doch zumindest noch im Leben,
soll mir jemand Hoffnung geben.
Ich brauch eine Therapie,
einen Tritt wie sonst noch nie.
Wer befreit mich aus dem Joch?
 
und doch.........
ich lebe noch.
 
O wehe, wehe, wehe,
was ich sehe, was ich sehe.
 
Anmerkung:
Was ich schreibe fühle ich, doch bin ich nicht der Betroffene.
Aus der Ferne sehe ich zu. 

 
© Bernd Rosarius

 

Vorheriger TitelNächster Titel
 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Bernd Rosarius).
Der Beitrag wurde von Bernd Rosarius auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 14.03.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

Der Autor:

Buch von Bernd Rosarius:

cover

Eiszeit. Die Gewohnheit zu Besuch von Bernd Rosarius



Kälte macht sich breit,
überall in unserem Leben.
Jetzt ist es wirklich an der Zeit,
dem positivem zuzustreben.
Eine Frau entsteigt dem Eis,
für die Hoffnung steht sie ein,
die Gesellschaft zahlt den Preis,
die Zukunft darf kein Zombie sein.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (15)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Angst" (Gedichte)

Weitere Beiträge von Bernd Rosarius

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Einsamkeit von Bernd Rosarius (Das Leben)
Absturz von Sonja Rabaza (Angst)
Spieglein, Spieglein an der Wand. von Franz Bischoff (Gedanken)