Karl-Heinz Fricke

So wie es früher einmal war

Ach, du Heimat in der Ferne
in der ich einst gelebt so gerne.
Wie verändert siehst du aus ?
Es ist nicht mehr das alte Zuhaus.
 
Vieles ist von einst verschwunden,
mit dem ich früher eng verbunden.
Die Wiese, auf der wir zu spielen pflegten,
wo wir uns tummelten und froh bewegten.
 
Wo Gebäude ragen heuer
loderte das Osterfeuer.
Auf der Straße vieler Verkehr,
früher war sie meistens leer.
 
Der Milchmann hat die Milch gebracht,
es hat geendet über Nacht.
Der Bäckerjunge bringt nicht mehr
morgens die frischen Brötchen her.
 
Tausend Jahre ist es her,
als man das Erz am Berge fand.
Die Grube ist jetzt öd und leer,
nur Schächte steh'n noch an der Wand.
 
Man sprach nur in der Oberstadt
das einst beliebte Goslarer Platt.
Nun viele Fremde man dort find',
alles verwehte der Neuzeit Wind.
 
Ziegenherden, Kuhgeläute
alles fort, verschwunden heute.
Oh, wie liebte ich die Wälder,
die grünen Hänge und die Felder.
 
Gewachsen ist die Heimatstadt,
sie doppelt soviel Bürger hat.
Wo früher Felder war'n vorhanden,
sind Bezirke neu entstanden.
 
Was in der Jugend mich erfreute
und was mir stets ins Herze drang,
war der Kirchen traut Geläute
mit dem heimatlichen Klang.
 
Die Sprache, die die Mutter spricht
als zum Leben ich erwacht,
ungläubig blinzelnd in das Licht
habe ich verträumt gelacht.
 
Dann lallte ich die ersten Laute,
schrie aus Leibeskräften auch,
während Mutter mir, die traute
rieb mir meinen wehen Bauch.
 
"Mama" war das erste Wort,
weil es meist das erste ist.
Und mit der Zeit, da fuhr ich fort
zuzufügen zu der List.
 
Und dann ging es Schlag auf Schlag,
weil ein kleines Kind vermag
der Mutter Worte nachzuahmen,
die aus ihrem Munde kamen.
 
Später, wenn die Schule ruft,
wird das Kind dann eingestuft,
wie gut es lernt, wie gut es spricht,
und das Lernen wird zur Pflicht.
 
Es lernt zu schreiben und zu lesen,
es kann sprechen, rufen schrei'n,
als wär's anders nie gewesen,
seitdem es Säugling war und klein.
 
Und schließlich dann im spät'ren Leben,
wird es nur eine Sprache geben,
die man recht versteht und liebt,
weil es nur eine Muttersprache gibt.
 
                   Karl-Heinz Fricke  08.04.2006

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