Bernd Rosarius

Sandor Conti

Sandor Conti war ein Mann,
der lebte fünfundzwanzig Jahr.
Er fing sofort das Schreiben an,
als er die Welt bewußter sah.

Er wollte sagen was er dachte,
um den Menschen zu erklären,
warum er dies und jenes machte,
in seinem allzu kurzen Leben.
 
Er wurde nicht fertig mit der Welt,
auch Menschen die verstand er nicht.
Er besaß kein Pfennig Geld,
und schrieb zu Haus im Kerzenlicht.
 
Auf dem Boden häufte sich,
vollgeschriebenes Papier.
Diese Schrift erreichte mich,
als ich trat durch seine Tür.
 
Genommen hat er grad das Gift,
entflohen seiner Seelennot.
Aus seiner Hand fiel noch der Stift.
Er schrieb nicht mehr, denn er war tot.
 
Das Kerzenlicht es brannte noch.
Blatt für Blatt zog ich es rauf.
Erst wollt ich nicht, dann las ich doch,
und sah für Stunden nicht mehr auf.
 
Was ich las das war sehr viel.
Eine Welt wurde hier gemacht,
mit soviel Kraft und viel Gefühl,
hat er darüber nachgedacht.
 
Jetzt will ich hier nur kurz erwähnen,
ein Freund war er doch allemal.
Ich vergoss sehr viele Tränen.
Musste leben mit der Qual.
 
Niemand war ihm wirklich nah.
Jeder dachte nur an sich.
Keiner wusste was geschah,
nicht die Freunde und nicht ich.
 
Ein toter Mann der längst begriff,
und seinem Leben Tribut zollte.
Der nicht sein leckgeschlagenes Schiff,
reparieren lassen wollte.
 
Seinen Geist hab ich behalten,
denn er hat mir viel gegeben.
Sein Vermächtnis zu verwalten,
war ein Teil von meinem Leben.
 
Immer wenn ich traurig war,
musste einen Brief ich schreiben,
das war nötig manches Jahr.
So konnte ich ihm nahe bleiben. 

Anmerkung:

Am 6.5. jährt sich sein Todestag zum 40.mal.
Wir kannten uns seit dem 10.Lebensjahr.Wir fuhren gemeinsam mit dem Fahrrad nach Friedland 1955 um die Russland-Heimkehrer zu begrüßen.
Wir fuhren gemeinsam zum Camping, erst mit dem Fahrrad, später mit dem Auto.
Er liebte Ungarn! Die ungarische Lebensweise, die ungarische Literatur, Malerei und Musik. Er verbrachte viel Zeit in Ungarn und litt sehr unter dem Ost-West-Konflikt.
Sein Künstlername war „Sandor“ ein weitläufiger ungarischer Vorname. Als Nachnamen gab er sich „Conti“. So hieß die Hauptfigur aus seinem unvollendeten Erstlingswerk „Der Tod des Philosophen“. 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 02.05.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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Sturmwind von Bernd Rosarius



Wenn erst ein laues Lüftchen weht,
das sich naturgemäß dann dreht
und schnelle ganz geschwind,
aus diesem Lüftchen wird ein Wind,
der schließlich dann zum Sturme wird,
und gefahren in sich birgt-
Dann steht der Mensch als Kreatur,
vor den Gewalten der Natur.
Der Mensch wird vielleicht etwas klüger,
seinem Sturmwind gegenüber.


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