Sandra Pulsfort

Heimatlos (Fragmente einer Liebe)

 
Wir begegnen uns,
auf der Flucht der Augenblicke
durchwogter Versäumnis.
Geschmutztes Lachen auf den Mündern
klebt an den Momenten, wie Fliegen an der Wand
und ziert den Sockel
unserer Fehlbarkeit.

Unter Vermeidung sämtlicher Gesichtsausdrücke
schweigst du meine Lippen hungrig,
da sich der zerfallende Traum von Nähe
nie ganz verflüchtigte
und sich als mikroskopisch kleiner Lichtpunkt,
hellsten Aufbegehrens,
im Gestränge deiner Ahnung niederlässt.

Gedanken kreischen durch die Brandung meiner Sinne.
Was nützt mein ganzer Tag voll Haben,
wenn ihn füllt das kleinste Sein?
Auf der Suche nach Verständnis
umklammert meine Schwäche
jede fadenscheinige Entschuldigung,
hoffnungsloser Ausreden.

Gepulste Träume treten in den Hintergrund
und übergeben,
unzerdachte Fragen,
am Ende des antwortlosen Satzes,
in den schlafenden Schoß der Nacht.
Dämmern pflückt Nebel vom Himmel
und lässt entsterntes Gewölk verblassen.

Nur die Sonne hütet mein Geheimnis,
durchpilgert zärtlich,
als wärmender Kuss mein Gesicht.
Ihr Hauch ruht sanft auf Geist und Brust
und versinkt im getürmten Spektrum
unzerstörter Lawinen,
verlorener Orientierung.

Mein sinngelöstes Herz verwundet,
zu viele Schläge ohne dich.
Glück verdampft im Köcher der Vernunft
und parfümiert den Most
zerdachten Hirns
mit gärender Säure.
Müde warte ich mich einsam.

Zwischen duftendem Gefühl voll von Verlockung
scheint mir jede Wolke Wort.
Der ganze Horizont schreibt Sehnsucht.
Ich lese tief, um Luft zu holen.
Diese vielen kleinen Fetzen,
nicht enden wollender Zeit,
hämmern Unbehagen gegen die Schläfen meiner Umsicht.

Ich falle fliegend,
ins „zwischen-Stühlen-heimatlos“.
Ungeduld umdreht die Ewigkeit
fast schneller als Freude greifen kann,
doch mein strauchelnder Schritt verfehlt den Augenblick.
Wie gerne würde ich ihn einfangen?
Nimm mich mit Gedanke.

Treibe mich über die seufzenden Zweige
verwirrter Ängste,
welche weit mein Bewusstsein beschatten.
Dort möchte ich, mit Herz und Hirn auf einer Höhe,
die Tiefe der Tränen spüren,
welche unvergossen,
mein zögernder Schritt gefangen hält.

Sengende Wimpern umfrosten verlassen
die Vergänglichkeit
zusammengeraffter Momente.
Bodenfrost auf meinen Lippen.
Was bleibt, ist ein unermesslicher Schmerz,
den die Nacht nicht tilgt.
Nie.

Frisch durchweichte Vorsätze
meines Frustprogrammes,
aufgehangen,
an der gespannten Leine des Bewusstseins,
im Schattenspiel der Sonne schaukelnd,
hängen wie rein gewaschene Socken,
deren Weiß die Vögel gering schätzen.

Licht gescheitelt stolpert Unmut seinen Weg
und verfehlt rotierend,
im Wendekreis des Gefüges,
die Ausfahrt der Entschlussspur.
Doch bei all der Tristesse fällt es schon schwer,
Farbe zu bekennen.
Bröckelnder Putz straft die Wände meiner Notariate.

In der Ebene gegenwärtiger Wende
ruhen aufgeträumte Wünsche
schutzlos, nackt in meiner Hand,
ohne sich ihrer Tragweite bewusst zu sein
heften sie sich an die Fersen der Bestimmung.
Schlagseitig kippt Gewissen in den Zwiespalt
und springt sich die Kniee blutig.

Weit, hinter den Kuppen deiner Zeilen
tragen zart besilbte Verse
Liebe
bis in entlegenste Ferne.
Ich binde meine Gebete in Worte
und hoffe, dass sie Zeichen für Zeichen
dein Herz erreichen.


Sie verschweigen, was sie offenbaren.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 02.05.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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