Walter Baader

Alte Zwangstradition

 
Es zog der Mann als Hagestolz,
früher durch das weite Land.
Etzo hackt er tapfer Holz,
weil er zur Ehe sich verband.
 
Das Holz, das er jetzt so zerkleinert,
das heizt den Herd ganz lichterloh,
an dem die Hausfrau das verfeinert,
was ihn satt macht - und auch froh.
 
Als Mahl bestellt er klar und laut,
zum Mittag heut’ sein Leibgericht.
Bratwurst, Kartoffelbrei und Kraut,
denn and’ res Essen reizt ihn nicht.
 
Den Tisch gedeckt, den Wein parat,
heiß aufgetan, der Wonne Gipfel.
Doch da -  ein dunkles Wölkchen naht:
Alle Würste ohne Zipfel!
 
„Zum Donner auch und bis zur Stund,
wir haben niemals nicht gestritten.
Drum bitte nenne mir den Grund,
weshalb die Zipfel abgeschnitten“.
 
„Das war schon immer das Debakel,
auch Mutter konnt’ es nicht verhehlen,
Bratwurst hat bei uns den Makel,
dass steht’s die Zipfel beid’seits fehlen“.
 
„Bei mir zu Hause gab’s das nicht,
die Würste waren immer rund.
Vielleicht, wenn man mit Mutter spricht,
kennt für’ s kupieren Sie den Grund“.
 
Und so fragte man die Dame,
weshalb die Zipfel sie entfernt?
Sie habe es, in Gottes Namen,
von Ihrer Mutter so gelernt.
 
Jetzt hatte man gar große Not.
Wer sollte hier die Antwort geben,
denn ihre Mutter war längst tot.
Doch - deren Schwester war am leben.
 
So traf man sich im Altenheim;
Hört erst die altbekannten Klagen,
erzählt sich dann auch allgemein,
doch letztlich nur um zu erfragen:
 
„Hast du’s einstmals auch gelernt,
an der Bratwurst, wie wir sie kennen,
dass man die Zipfel stets entfernt
und kannst den Grund uns dafür nennen?“
 
Ach da schmunzelt Tante Ännchen -
kichert laut - dann lacht sie doch:
„Mutters viel zu kleines Pfännchen
und ihr benutzt es immer noch“.
 
© P.Walter Baader

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