Karl-Heinz Fricke

Der Heimkehrer

Einem jungen Mann lockte die Ferne,
die Heimat verließ er gar zu gerne.
Er hörte den heimlichen Rufer
dort am fernen, grünen Ufer.
 
Die Ernüchterung kam bald,
er arbeite schwer im Wald,
er sägte, hackte, schichtete auf,
es war ein harter Tagesverlauf.
 
Trotz aller Mühe wusste er gleich,
Davon wird ein Mensch nicht reich.
Er hatte den Wald bald satt,
und  begab sich in die nahe Stadt.
 
Seit Monaten schon am großen Ort,
verstand er nicht ein einzig' Wort.
Die Muttersprache half nicht mehr,
und die andre fiel ihm schwer.
 
Auf einem Neubau fing er an,
verdingte sich als Arbeitsmann.
Weil er nicht spezialisiert,
hat auch das sich nicht rentiert.
 
Er schleppte Holz, er reichte Steine,
müde wurden Arm' und Beine,
und als der Neubau fertig stand,
zog der Winter in das Land.
 
Arbeitslos und grippekrank
verwünschte er sich wochenlang.
Lag wach und sinnend in der Nacht,
dacht' nur, dass er es falsch gemacht.
 
Er hatte alles aufgegeben
für ein verheißungsvolles Leben.
Er war gewandt in Schreiben und Lesen
Beamter ist er einst gewesen.
 
Jahre kamen und Jahre vergingen,
es sollte ihm nicht viel gelingen.
Da reifte in ihm der Entschluß,
dass er zurück nach Hause muss.
 
Ein Frachter brachte ihn nach Haus,
in Bremerhaven stieg er aus.
Verwundert betrachtete er Land und Leute,
alles schien so anders heute.
 
Wo kamen all die Fremden her ?
es schien, sie genossen ihr Leben sehr.
Sie waren doch auch im  fremden Land,
ihnen vorher unbekannt.
 
Der Unterschied jedoch war der,
aus armen Ländern kamen sie her.
Behandelt wurden alle gleich.
Die Fleißigen, die wurden reich,
fuhren Mercedes und B.M.W,
vermissten nicht ihrer Heimat Weh.
 
Der Heimkehrer war fast ohne Mittel,
in seinem armen Reisekittel.
Zählte fünfundvierzig Jahr',
doch zuversichtlich er noch war
sich in der Heimat zu bewähren,
um endlich glücklich auch zu werden.
 
                      Karl-Heinz Fricke  22.o6.2006

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