Susanne Aukschun

Egon hat'n Plan

 
Ich fürchte fast, er liebt mich nicht,
sonst würd’s ihn intressieren,
daß ich mich hier so plagen muß,
tu hungern und erfrieren.
 
Dabei ist es noch längst nicht aus,
das hat er mir verraten,
kehrt dennoch nicht zurück ins Haus,
ich muß noch „etwas warten“.
 
So stirbt die Hoffnung wohl zuletzt,
ich kann das nicht verhindern,
ich hoff’ stets, daß er zu mir wetzt,
wenn er muß nicht mehr schindern?
 
Was er sich denkt, das ist geheim,
sein Kopf ist so verrammelt,
beim Denken mag er einsam sein,
kein Schild zum Lesen bammelt.
 
Doch Egon, der hat einen Plan,
das kann ich ja erfassen,
jetzt im Moment kommt er nicht an,
er will das lieber lassen.
 
Statt dessen geht er seinen Weg,
allein und ohne Worte,
ich da so ‚ne Vermutung heg,
denn das wär seine Sorte.
 
Es gibt da was, das reizt ihn sehr,
das will er sich noch nehmen,
denn später gibt es das nicht mehr,
wenn wir zusammen kämen.
 
Auf was er wartet, weiß ich nicht,
das wäre zu ergründen,
doch irgendwas ist noch in Sicht,
bis dann wird er sich winden.
 
Will er gar noch in Urlaub fahr’n
mit seiner neuen Perle?
Kauft die ihm einen neuen Karr’n?
(Denn davon träumen Kerle).
 
Vielleicht lockt auch das große Geld,
wenn er ihr Pferd bereitet?
Nutzt die Turniere dieser Welt,
auch wenn er das bestreitet.
 
Ist noch ‚ne Party wo geplant,
zu der sie ihn mit hinschleift?
dann hätt’ er noch was abgesahnt,
bevor sein Plan mal ausreift?
 
Vielleicht ist auch Benzin zu rar,
um hier mal her zu fahren?
Die Preise sind ja echt nicht wahr,
sind längst nicht, wo sie waren...
 
Doch eins ist Fakt, sein Glück ist’s nicht
was er so grade mitmacht.
Ne Lösung, die ist nicht in Sicht,
bevor er nicht mal aufwacht.
 
Sie geht ihm jetzt schon auf den Geist,
doch muß er es ertragen,
denn damals hat er gut geheißt
sie nach Asyl zu fragen.
 
Dabei vermißt er alles sehr,
hat Gutes nicht vergessen,
hat Heimweh manchmal etwas mehr,
war auf das Haus versessen.
 
Ich hab’ ihn wohl sehr doll gekränkt,
das sei mein großer Fehler,
doch hat sich’s nicht auf ihn beschränkt,
bei mir war’s auch nicht schmäler.
 
Drum sind wir eigentlich jetzt quitt,
Vergangenes ist begraben,
ganz klar kommt er noch nicht damit,
auch ich hab’ meine Narben.
 
So will er bei ihr weiterwohn’,
sich dort verwöhnen lassen,
ein wenig schäbig ist das schon,
ich könnt’ ihn dafür hassen.

Die Warteschleife dreht sich nun,
recht blöd, dort aufzuhocken,
doch ohne ihn kann ich nicht ruhn’,
es nützt nichts, rumzubocken.
 
Vertröstet bin ich jetzt auf Zeit,
nutz’ sie für meine Freuden,
bis mit ihm ist es mal soweit,
will ich nichts mehr vergeuden.
 
Nen neuen Mann gibt’s nicht für mich,
das ist nicht abzuwenden,
auch wenn er träumt allein von sich,
trag’ ich ihn doch auf Händen.
 
Im Winter, wenn es wieder friert,
sei Melden also möglich.
Er sich derzeit noch etwas ziert
(das finde ich recht kläglich).
 
Ich bin doch keine Vollpension,
wo man ein Zimmer mietet!
Der Mann sollt’ mich gar lieben schon,
weil and’res sich verbietet.
 
So kämpfe ich mit meinem Herz,
der Geist kann’s nicht bezwingen,
mein supergroßer Liebesschmerz,
wird mich noch mal umbringen.
 
Drum warte ich Oktober ab,
dann feiert er Geburtstag,
Turniere werden dann recht knapp,
auch wenn ich nicht mehr nachfrag.
 
Die 40 war’n ein hartes Jahr,
das sollte man nicht glauben,
wir werden erst ein neues Paar,
wenn fest sind seine Schrauben.
 
Auf 41 hoff’ ich jetzt,
(doch Wunder gibt es nimmer?).
Obwohl er hat mich schwer verletzt,
lieb ich Schaf ihn noch immer.
 
Denn 14 ist ‚ne große Zahl,
das kann ich nicht vergessen,
probieren wir es nun noch mal?
Ich wär darauf versessen...
 
17.07.2006

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