K.N.Klaus Hiebaum

S C H L A G + derSchriftsteller eNCeKa Band XI, 2.Kap

 

 

SCHLAG

 
Was ist nur los
ich leide an Herzverfettung
Milchfett hat sich abgelagert
ein harter Schlag
für meine Gesundheit

und da mein Herz
schlägt
und schlägt
und schlägt
ist beim letzten Schlag
SCHLAG entstanden
Schlagsahne
 
Hei diese Überraschung
hörst DU den Schlag?
und da ich noch Zucker
in meinem Herzblut spüre
ist die Schlagsahne
soooo süüüüüßssssß
dass sie übersprudelt



IX,       2

D E R   S C H R I F T S T E L L E R

eNCeKa – eine durstige Seele
 
 
 
Die „Berümtheit“ meines Kollegen begann mit einer Vorwarnung!
Als ich mich um die Lehrstelle bewarb, bat mich – obwohl Anfänger - der Direktor sogleich, auch das „Amt“ des Schulleiters zu übernehmen, da mein werter Kollege zwar höhere schulische Ausbildung hätte, aber etwas „freigeistlich“ und unzuverlässig sei. Besagter war Schriftsteller und ein herausragendes Talent.
In Folge meiner Ausführungen werde ich mich hüten, ihn „Expressis Verbis“ zu nennen, also bezeichne ich ihn nur als eNCeKa.
 
Zufälliger weise habe ich im ORF gerade dieser Tage wieder von ihm gehört: Während Prosa üblicher weise in 200 bis 300 Exemplaren aufgelegt wird, sind von seinen Texten in kürzester Zeit 2000 Exemplare verkauft worden. Nun gut, davon wusste ich damals nichts und war somit nicht vorbelastet.
 
Die Tür zwischen Küche und Schlafzimmer unserer Lehrerwohnung hatte eher symbolischen Charakter und die Schalldämmqualität eines Vorhangs, mit einem breiten Spalt oberhalb des Fußbodens.
Ich versuchte nachts zu schlafen, wie ich es als konservativ, bürgerlicher Mensch gewohnt war. Das sonst heimelig wärmende Licht des Feuers, ja sogar dies drang durch die Tür und regte meine Gedanken an oder auf. Das Licht aus der Küche warf so viel Schein ins Zimmer, um gerade noch verschwommene Schatten zu produzieren. Diese geisterten durch den Raum, bis der Schlaf mich übermannte. Jedoch der Mann im Nebenraum war stärker. Um Mitternacht begann er ziemlich regelmäßig auf seiner Uraltschreibmaschine Marke Peter Mitterhofer herumzuhämmern. Wohlwollend lyrisch konnte man dies auch als schreiben bezeichnen.
 
In einem inneren Dilemma zwischen Zwang und Explosion, mit einem Promille an Neugier - oder vielleicht nur deshalb, weil sich das Hämmern über Ambos und Steigbügel bis zur Harnblase fortgepflanzt hatte – streckt ich meine Füße aus dem Bett auf den Bretterboden und machte mich auf in Richtung eines heißersehnten etwas „stilleren Örtchens“.
Ich hatte mir eingebildet, die Tür zur Küche zu öffnen – doch – es musste die Tür zum Backrohr gewesen sein, irrsinnige Hitze schlug mir entgegen. Die Holzscheite im Museums-Herd prasselten und krachten, als böten sie alle Macht auf, Geräuschkulisse für die Geschichten auf dem sich langsam grau färbenden Papier auf der rollenden Walze zu sein.
Und mitten drin, in diesem Backofen, saß nur mit Unterhosen angetan der berühmte eNCeKa.
Mir brach der Schweiß aus allen Poren, bei ihm war das nicht möglich, denn Wasser befand sich keines in seinem Körper und Alkohol verdunstet ja sofort, sobald er an die Oberfläche gelangt. Auch Fett konnte aus diesem Körper, trotz der Hitze im Backofen, keines gewonnen werden. Kein Wunder bei seinen Eßgewohnheiten, wobei die Betonung eindeutig auf Gewohnheiten fällt. Von Essen konnte kaum die Rede sein.
eNCeKa hatte zwar im nahen Gasthaus ein Abonnement, davon profitierte jedoch zu 90 Prozent nur der Gastwirt und nicht der Schriftstellermagen, dieser bekam maximal einen halben Knödel und einige Essiggurken. Trotzdem besaß der Eigentümer meist die Fähigkeit, am nächsten Tag zu unterrichten.
Meistens, denn es kam auch vor, dass ihn Freunde aus der Kunst-Uni aus Venedig besuchten, dann ging er nachmittags mit ihnen ins Tal und ließ sich drei Tage lang nicht mehr blicken.
 
Als Schulleiter war es mir unmöglich dies zu übersehen und zu übergehen, schließlich konnte dies ja nicht geheim bleiben, dass drei Schulklassen (3., 4. und 5.) an einem x-beliebigen Werktag geschlossen hatten. Ich war also gezwungen, den Vorfall der Direktion zu melden. Allerdings hatte der werte Kollege das Öffnen und Durchlesen der Schulpost seit Schulbeginn immer sehr genau genommen bis…bis endlich, nach zwei Monaten Schule meine schriftliche Beauftragung zum Schulleiter per Post eintraf. Diese lag dann auf meinem Arbeitstisch im Schlafzimmer mit einer Notiz meines Zimmerkollegen, gerichtet an den sehr geehrten Schulleiter P.H. , dass er sich entschuldige, bisher unwissentlich oder in „anderem Glauben“ (nämlich selbst Schulleiter zu sein), die Schulpost geöffnet zu haben.
 
eNCeKa hat es jedenfalls hervorragend verstanden sowohl in der Direktion als auch bei Kindern und Eltern in „unauslöschlicher“ Erinnerung zu bleiben! Dies nicht nur wegen des Bildes vom „heiligen Franziskus bei der Vogelpredigt“ das er mit den Schülern über die gesamte Klassenwand gemalt hatte. Vom gesamten Schuljahr fehlten nämlich die geforderten Eintragungen (Wochen- und Monatsvorbereitungen – Unterrichtskonzept) im Klassenbuch. Beim Jahresabschluss waren nicht einmal die Zeugnisnoten dort eingetragen.
 
Der Direktor gestattete, oder urgierte notgedrungen, dass der Kollege das Klassenbuch mit in den Urlaub nach Spanien nahm, um bald möglichst ein Resultat zu sehen. Vergeblich – weder der Lehrer noch das Klassenbuch tauchten in der Direktion auf. Auch Mahnungen und Drohungen fruchteten nicht. Letztendlich war der Direktor gezwungen, den Säumigen wegen Unterschlagung von Amtsdokumenten anzuzeigen und das Klassenbuch durch die Gendarmen „einzutreiben“.
 
Es gab natürlich in Vernuer kein weiteres Unterrichtsjahr für den Lehrer. Man fand ihn an einer Mautstelle an der Brenner-Autobahn wieder und nach wenigen Jahren erfuhr ich von seinem Ableben. Am 21. 8. 78 starb der erfolgreiche Schriftsteller mit 31 ½ Jahren an einem Lungenödem, als Folge fortgeschrittener Leberzirrhose  und Bauchwassersucht. Er hatte sich buchstäblich zu Tode gesoffen.
 
 
 
 
IX,     2
 
L I E B E   ist . . .
nach „Frischem“ zu dürsten
und den eigenen Quell sprudeln zu lassen
 


 

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