Karl-Heinz Fricke
Ausgewiesen aus Polen
Über die Weichsel
mit zerbrochener Deichsel.
Voll geladen ist der Wagen,
ihr Schicksal ist nur schwer zu tragen.
Mit Kisten, Wannen, Töpfen, Kästen
nur schnell in des Landes Westen,
mit Großmutter und Enkelin,
mit Sigismund und Fridolin.
Gedonner hinten, Geblitze vorn,
Warschau, Graudenz, Posen, Thorn,
Frankfurt/Oder und Berlin,
weiter fort zum Westen hin.
Magdeburg, Halberstadt, die Heide,
sie blieben wie Schafe auf der Weide.
Als Landwirtschaftsexperten,
arbeiteten sie in Feld und Gärten.
Sie beweinten, was sie verloren
hinter ihrer Heimat Toren.
Nun in Armut, ohne Heim
wollten sie wieder heimisch sein,
jedoch auf diesem öden Land
gibt es nur den Heidesand.
Wohl dann, auf nach Kanada,
wo der Menschen wenig sind.
Mit allem Kram und Großmama
ließ man sie ins Land geschwind.
Bekannt als gute Landarbeiter
schob man sie zum Westen weiter.
In Manitoba auf einer Farm
blieben sie noch lange arm.
So zogen sie nach einiger Zeit
nach Winnipeg, das nicht weit.
Entwurzelt, enteignet und vertrieben.
Wären sie lieber in Polen geblieben?
Karl-Heinz Fricke 15.08.2006
Anmerkung: Dies ist das Schicksal einer Familie, die ich nach meiner Auswanderung in Winnipeg kennenlernte.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 15.08.2006.
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