Hans-Werner Kulinna

Engel sind Hingucker

 

Siehst du die Maske wie sie brüllt,
sie ist von Wut und Hass erfüllt,
das Stadion sich langsam füllt
und ich steh' da so angsterfüllt.
 
Ein schwarzer Spieler läuft herein,
ein Teil der Masse stimmt gleich ein,
sie zeigt ihr hässliches Gesicht
und ich steh' da und rühr' mich nicht.
 
Die Masse schreit im lauten Chor,
die Fratze Mensch - sie grölt hervor,
der schwarze Spieler schaut hinauf,
für ihn ist's heut' Spießrutenlauf.
 
Die Schreie gehen immer weiter,
so mancher findet das noch heiter.
Die Rufe werden wild und laut,
da fehlt der Mensch, der sich was traut.
 
Der schwarze Spieler führt den Ball,
ich hör' Geräusche überall,
sie rufen das Geschrei von Affen,
der Massenbrüller trifft wie Waffen.
 
Die Stimmung ist nun aufgeheizt,
der Spieler wankt, er ist gereizt,
der Pöbel brüllt sein Herz heraus,
gleich ist das Trauerspiel wohl aus.
 
Dann geht ein Mensch zum Mikrofon
und mancher greift zum Telefon,
Proteste hagelt es danach,
die Fußballstadt wird rot vor Schmach.
 
Rassismus steht in jedem Blatt
und mancher hat die Sprüche statt
und jeder ruft den Richtersmann.
Ob der den Frieden bringen kann?
 
Was ist das für ein Fan, der spottet,
vielleicht ist sein Verstand verrottet.
Sein Leben glitt ihm aus der Bahn,
im Pulk wurd' er zum Massenhahn.
 
Der Mensch, der gestern wild noch brüllte,
der braucht wahrscheinlich dringend Hilfe,
denn sein Verstand blieb wohl Zuhaus,
als er zum Spiel fuhr gestern raus.
 
Vielleicht fährt heut' ein Engel mit,
auch ich bin da zum Fußballhit.
Der Engel sah mir ins Gesicht,
er nahm mich einfach in die Pflicht.
 
Denn Engel brauchen keine Flügel
und auch kein gold'nes Haar,
sie tragen keine weißen Kleider
und sprechen auch nicht wunderbar.
 
Ja - viel zu oft bist du ein Engel,
der da ist, wenn der and're weint,
der Flagge zeigt, wenn's jemand braucht,
denn so ist 'Engel sein' gemeint.
 
So suchen wir die Menschen heut',
die oftmals auch den Engeln gleichen,
die fair als Fan durch diese Welt
die Hand des Friedens jedem reichen.
 
Vielleicht gelingt es einem Engel
uns anzustecken für den Weg,
das Sportlerherz ganz aufzumachen,
was Wunderbares wär passiert.
 
Und alle Engel auf der Erde,
sie könnten froh und glücklich sein,
denn Menschen, die die Herzen öffnen,
sind auch beim Sport nicht mehr allein.
 
Im Himmel mag es Engel geben,
doch nicht in diesem Erdenleben.
Rassismus halte selber klein,
so kannst du auch ein Engel sein.
 
Doch was nützt manches schlaue Wort,
die Vorsätze, sie fliegen fort,
das nächste Spiel, es wird's wohl zeigen,
ob wir dann pöbeln oder schweigen.
 
copyright: H.W.K.
 
Damals  in den Stadien von Aachen und Rostock habe ich versucht, auf vielfältige Weise zu  reagieren. Leider haben die "Leitfiguren" unserer Gesellschaft auch damals nicht reagiert. So geht unsere Gesellschaft an seiner Gleichgültigkeit zugrunde. Ich danke J.B. Kerner, der als einziger Sportmoderator am gleichen Abend deutlich Position bezogen hat. 

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