Hans-Werner Kulinna

Bahnhöfe

 

 
 
Wir warten in der Bahnhofshalle
und schauen auf die Uhr.
Die Blicke schnell, der Atem heiß.
Wir suchen das Geleis.
 
Es wird uns heute schwer gemacht,
den Abschiedsweg zu geh'n.
Du musst heut' fort und ich bleib steh'n,
doch keiner will schon geh'n.
 
Der Zug kommt an, die Bremse quietscht
und Koffermenschen laufen.
Ein letzter Gruß, ein warmer Kuss,
ich weiß, dass du jetzt gehen musst.
 
Da steh' ich nun und schau dir nach,
du steigst in deinen Zug.
Die Fenster sind fest zugestellt,
du winkst mit keinem Tuch.
 
Ich kann nur dunk'le Köpfe seh'n,
die Scheiben gähnen schwarz.
Die Fenster laden nicht mehr ein,
mit einem Blick bei dir zu sein.
 
Die Zeit, sie rast, du siehst mich steh'n.
Ich spüre meine kalte Hand.
Die Zugtür schließt, es tönt ein Pfiff.
Ich winke am Geleiserand.
 
So rollt der Zug an mir vorbei.
Ich bleib' allein zurück.
Bald werden wir uns wiederseh'n.
Bis dahin  - alles Glück!
 
Und kommst du selbst am Bahnhof an,
so stell' dein Herz gut ein.
Denn Menschen, die dir wichtig sind,
woll'n auch im Abschied bei dir sein.
 
© Hans- Werner Kulinna
 
Der Text ist all denen gewidmet, die am Bahnsteig suchend
und erwartungsvoll lediglich auf schwarze Scheiben blicken.
Bahnhöfe sind seltsame Orte. Ich verabscheue und liebe sie.

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