Wilfried Claus

Schatz – hörst du mich? Schläfst du schon?


Leidenschaft?!

Schatz –
hörst du mich ?
Schläfst du schon?

fragte ich und lauschte in die Nacht:

Ich denke nur gerade noch,
wie das bei uns beiden
so viel schöne Freuden macht.

Hörte öfter schon erzählen,
wie die anderen sich quälen.

Ich liebe dich
du bist für mich...

Doch der Reihe nach.
Wie’s bei Gänsen schöne Sitte,
ob sie Schwimmen oder Gehen 
vorn und hinten die zwei Großen
und die Kleinen in der Mitte:

Als ich lieben lernte,

nein nicht lange her,
war erst gestern – sozusagen,
ich mühte mich was ab.
Endlich...
hat es doch geklappt.
Und ich hatte eine richtig tiefe,
wunderschöne,
meine erste -
Freudenschaft.

Hätt’ ich eine
Leidenschaft gefunden
wär im Handumdreh'n
ich gleich verschwunden,
hätte mich von  solchen  Leidenssachen
schnell ganz weit entfernt
und hatt’ vielleicht die Liebe nie gelernt.

Es war mir rätselhaft -
weil das bei uns beiden
so viel Freuden,
alles -
aber keine Leiden schafft?

und wenn andere ganz nah
so ganz verliebt beisammen steh’n,
oder Hand in Hand
an uns vorüber geh’n,
dann war denen auch nur Freuden,
alles -
aber keine Leiden an zu seh’n?

Etwas später etwas reifer,
immer mit demselben Eifer,
war ich wieder hell entflammt,
und als sie zu nahe kam,
haben wir gleich lichterloh gebrannt.

Sie war dann weg.
Und schrieb mir wunderschöne Briefe,
liebe mich so innig atemlos,
sie sei nach mir verrückt.
(Ich war natürlich sehr entzückt.)
Doch im nächsten rosa Brief da stand:
mit aller  - Leidenschaft -
da war ich tagelang zutiefst bedrückt.

Als sie dann wiederkam
hat sie mir ruhig sanft erklärt,
ich hab ihr treulich zugehört:
Schatz sagt sie, da ist noch diese Sache.

Ich mag dass du für mich empfindsam bist.
Aber sei für dich nicht so empfindlich!

Das ist doch nur die dumme deutsche Sprache,
die Freudenschaften gar nicht kennt
und so Schönes bei uns beiden
umgekehrt gar Leidenschaften nennt!

Wir gingen weiter unsern Freudenschaften nach,
und haben dabei Kinderschaften gleich gezeuget,
von andern hört ich, täten es in Leidenschaft,
ich gab mein Mitgefühl,
und meine Trauer darob hat mich tief gebeuget.

Und hat der Mann dann
Weib und Kinderschar,
ist das Leben nicht ein Spiel nurmehr,
und Zeitvertreib, wie’s vorher war.

Sie liebt mich und sie will mich haben,
und ich geb mich gern ihr ganz,
will mich haben,
doch nicht dauernd um sich rum.

So trat ich ein in solch ein Zirkulum.

Suchend jenen Stein zu finden
welcher voll von Weisheit wär.
Sucht’ ihn kreuz und suchte quer,
drehte manchen um,
liegt ja doch die Wahrheit,
oft gerade anders rum.

Allein -
manch Sandkorn nur
im irdischen Seyn
ist uns vergönnt vom Weisheitsstein.

Kehrte zurück
an den heimischen Herd,
ihre Worte haben mir Trost gewährt:

Sei’s drum, freut sie sich, 
endlich - FREUDENSCHAFT entdeckt,
Du mein kleines Dichterlein.

Leidenschaft –
das Wort war fremdentzweckt.

Ist das Wort nun frei!

Und frei die Sicht!

Sieht wahre Leidenschaft
die blühend Leben bricht.

Seht!

Brennenden Bush!

Und redende schreibende Schergen!

Am Kreuz posierend
sich verbergen!

Zünden lodernd Leidenschaften.

Menschenleid und Menschenblut
rot an deren Händen haften.

© Wilfried Claus


Freudenschaften gibt es leider – noch - gar nicht.
Vielleicht sollte ich es einfach mit einem Antrag versuchen. Meines Wissens gibt es dafür sogar eine Stelle. Mindestens teilen Sie dann mit, ... Sehr geehrter ... ihr Antrag ist bei uns eingegangen (krepiert?)

Man muß natürlich dabei berücksichtigen woher das Wort kommt.
Von früher wohl, als die Kinderzahl groß und die Sterblichkeit hoch war.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 02.11.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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