Nora Runge

Gedanken im Advent

Vor den Parkhäusern lange Schlangen.
Jeder versucht, hinein zu gelangen.
Man versucht es mit Hupen und Gefluche -
schon beginnt der Stress - mit Parkplatzsuche!

Die Stadt erstrahlt im Glanze tausender Lichter,
man sucht ihn vergeblich in der Menschen Gesichter.
Kaum einer ist dazu bereit,
sich einzulassen auf die adventliche Zeit.

Sie hetzen durch die Straßen,
haben Angst irgendwas zu verpassen.
Die Einkaufstaschen wiegen schwer,
aber die Herzen bleiben leer.

Die Schaufenster sind festlich geschmückt,
das Angebot der Geschäfte uns fast erdrückt.
Manch Kind drückt an der Scheibe die Nase sich platt,
liegt da doch, was es auf seinem Wunschzettel hat.

In den Einkaufspassagen, ganz am Rand,
streckt sich aus manch flehende Hand.
Doch nur wenige halten kurz ein -
nur selten fällt ein Geldstück hinein.

Vom Weihnachtsmarkt herüber zieht verlockender Duft,
Weihnachtsweisen klingen durch die Luft.
An den Ständen die Leute sich reihn,
verführt von manch Leckerei und Glühwein.

In den Buden liegen aus,
Teddybär und Puppenhaus,
Eisenbahn und Hampelmann,
alles, was ein Kind sich nur wünschen kann.

Doch keiner der Kleinen schenkt diesen Sachen einen Blick,
damit man heute kein Kinderherz mehr beglückt.
Dazu braucht's Handy, Playstation, Supermann,
Dinge, mit denen man den Freunden imponieren kann.

Geschenkt wird Computer samt Spielen, möglichst brutal!
Das ist einfacher, erspart die Qual der Wahl.
Und es ist bequem, die Kinder sind beschäftigt,
egal womit, hauptsache, sie werden nicht lästig.

Vom Karussell her schallt helles Kinderlachen.
Den Kleinsten kann man damit noch eine Freude machen.
Doch ist ein Ritt auf dem Pferdchen vorbei,
wird gefordert ein zweiter, sonst gibt es Geschrei.

Vom nahen Dom hört man die Glocken schlagen.
Es scheint, als würden sie beklagen,
der Menschen Wahnsinn und Vermessenheit
und sie erinnern an den Sinn der Weihnachtszeit.


© Nora Runge

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Nora Runge).
Der Beitrag wurde von Nora Runge auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 09.12.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Die Autorin:

Bücher unserer Autoren:

cover

Ein Kobold zu Weihnachten von Franz Spengler



Vier weihnachtliche Kurzgeschichten, teils heiter, teils nachdenklich, können auch übers Jahr gelesen werden.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (4)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Weihnachten" (Gedichte)

Weitere Beiträge von Nora Runge

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Schlaflos von Nora Runge (Angst)
Wüstenrose von Inge Hoppe-Grabinger (Weihnachten)
Frühlingserwachen von Karin Rokahr (Thema des Monats)