Susanne Bruschke
Goldener Käfig - Mit mir nicht mehr
Ich war euer Trostpflaster, eure Ausrede, euer Haustier.
Von klein an euren Launen zugewiesen.
Wie ein Spielzeug hervorgeholt,
beliebig weggelegt.
Musst ständig vor euch glänzen,
mich selbst verbergen,
nur um euch nicht zu enttäuschen.
Stets strahlendes Lächeln,
Sorgenfalten galten nicht.
Wann durft ich Kind sein?
War´s je soweit?
Bin stehen geblieben,
wie eine Uhr, die angehalten wird.
Versuchte oft auszubrechen,
Angst, eure Liebe zu verlieren,
die in Wirklichkeit keine war.
Machtet ihr euch Sorgen um mich?
Oder um euch, wenn ich ein paar,
nennenswerte Schritte von euch fortging?
Wurde ich deshalb verwöhnt und klein gehalten?
Ist´s jetzt zu spät für mich, selbständig zu werden?
Festklammern, die Welt verteufeln.
Ich glaubte euch, dass Fremde immer schlecht sind.
Noch heute verpasse ich das Leben.
Noch heute glaube ich euch.
Nur die Familie gibt halt.
Zum Teufel mit allen anderen.
Doch Heuchler wart ihr,
weil ihr Fremden gegenüber ein offenes Buch wart,
wenn ich etwas falsch machte.
Sie ist die Schwierige, sie weiß nicht was sie tut.
Sagtet ihr.
Als wüsstet ihr´s besser.
Dem war nicht so.
Ich seh euch heute nicht mehr oft.
Wills auch selten.
Hab die Türen meines Käfigs zerhackt.
Bin davon geflogen.
Keiner streut mir mehr Brotkrumen vor die Füße.
Ich hole sie mir nun selbst unter vielen Mühen.
Wann werde ich aufhören, euch dennoch zu vermissen?
Springe von Ast zu Ast,
und verlasse mein Nest im Regen.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 23.06.2007.
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