Heinz Säring

Spuren des Teufels ? - Wahre Begebenheit - 3.Teil (Auflösung)

                

                    Man war früher leicht bereit, Wunder zu glauben,
                    obwohl es für alles Erklärungen gibt.
                    Doch sind sie geeignet, um Geld abzustauben,
                    dann sind solche "Wunder" bei manchen beliebt.
 
                    Drum lohnte es immer, vor allem den Briten,
                    doch auch den Franzosen, Besond'res zu bieten.
                    Sei's Heilwunderwasser, sei's Nessie im See,
                    warum nicht auch Spuren vom Teufel im Schnee?
 
                    Touristen, sie können Regionen ernähren,
                    Hauptsache, das "Wunder" ist nicht zu erklären.   
                    Doch ist erst die Gegend touristisch erschlossen,
                    dann wird sie wohl auch ohne Wunder genossen.
 
                    Wer kannte denn Devon in England erst schon? 
                    Zwei sehr lange Küsten hat diese Region.
                    Die größte Stadt Plymont, 'ne viertel Million,
                    fast gleich groß ist Chemnitz, die Stadt, wo ich wohn'.
 
                    Stadtväter von Chemnitz, ich rate euch sehr,
                    - wir könntens gebrauchen -, ein Wunder muss her!
                    Die großen Hotels! - und die Betten stehn leer -,
                    ein Wunder das brächte uns Fremdenverkehr.
 
                    Wozu haben wir den versteinerten Wald?
                    Ist hunderte Million Jahre schon alt.
                    Wir könnten Touristen in Massen gewinnen,
                    wenn plötzlich die Stämme sich ganz neu begrünen.
 
                    Doch leider, ich fürchte, das ist heut zu schwer,
                    es wär ein Versuch, doch es glaubt keiner mehr.   
                    Wir Menschen, wir wurden schon zu viel verdummt.
                    Drum bin ich der Erste, der hiervon verstummt.
 
                    Doch damals in England, da ist es gelungen,
                    da hat man wohl viele Touristen errungen.
                    Das "Rätsel von Devon" war so int'ressant,
                    dadurch ward die Grafschaft so richtig bekannt.
 
                    Nach so vielen Jahren, da wird es nicht schaden,
                    werd' ich meine Lösung des Rätsels verraten.
                    Ich sag' ja auch nur - denn ich war nicht dabei -,
                    so war es wahrscheinlich , es sei, wie es sei!
 
                    Es war'n nicht zwei Füße, nicht drei und nicht vier,
                    es war nicht der Teufel, es war auch kein Tier!
                    Wie stets ging es zu mit natürlichen Dingen,
                    die oft nur mit viel Überlegung gelingen.
 
                    Man kann die Ideen, die Technik hier loben,
                    und die kam - wie Gutes fast immer - von oben.
                    Doch Flugzeug und Hubschrauber gab es noch nicht,
                    obwohl Leonardo hatt' darauf schon Sicht.*
 
                    Doch eines gab's seit vielen Jahren da schon:
                    Das ist der vortreffliche Heißluftballon.
                    Der wurde, wie klar Dokumente bekunden,
                    schon vor dem Jahr tausendachthundert erfunden.
 
                    So manches beschreibt sich sehr schwer in Gedichten,
                    drum werd' ich jetzt weiter in Prosa berichten.

 

------------------------
*) Leonardo da Vinci hat bereits im 15.Jahrhundert auch einen Hubschrauber entworfen.
 
 

Kurze Zusammenfassung der Fakten:

In der südwest-englischen Grafschaft Devonshire gab es am 7.- 8.Febr.1855 ein heftiges Unwetter mit orkanartigen Stürmen. Morgens gegen 5 Uhr trat plötzlich Ruhe ein und es schneite 3 Stunden lang. Im Schnee wurden danach eigenartige Spuren von kleinen Hufen entdeckt, die sich auf einer Zick-zack-linie befanden, welche aus längeren geraden Teilstrecken bestand. Auf einer Fläche von rd. 30 x 30 km erstreckte sich diese Spur über eine Gesamtlänge von 160 km und war genau am Friedhofstor des Dorfes Blayford plötzlich zu Ende. Die Vertiefungen im Schnee waren wie von einer Ausstechform herausgeschnitten oder von einem heißen Eisen hineingeschmolzen und hatten immer den genau gleichen Abstand von 25 cm. Die Spuren gingen dabei auch über Dächer von Gebäuden und andere Hindernisse - im Grundriss gesehen gradlinig - mit der selben Schrittweite hinweg.

An die Möglichkeit, dass die Spuren von einem Ballon aus entstanden sein könnten, wurde 1855 auch schon gedacht. Jemand hätte vielleicht zufällig eine Schnur schleifen lassen mit einem hufförmigen Ring am Ende. Aber damit wären doch nicht diese regelmäßigen, gleichartigen Hufabdrücke in genau 25 cm Abstand entlang gerader Linien entstanden. Deshalb wurde auch dieser Gedanke schnell wieder verworfen. Man einigte sich schließlich darauf, dass es sich um ein unlösbares Rätsel handele.

 

Schlussfolgerungen:

Nein! Offensichtlich ist extra zu dem Zweck ein Gerät erdacht und entwickelt worden, um diese "Teufelsspuren" zu erzeugen, durch welche die Gegend interessant und berühmt werden sollte, um damit viele Touristen anzulocken.

Der ganzen Aktion ist sicher eine längere Entwicklung vorausgegangen mit vielen Versuchen und Fehlschlägen, bis die Sache ausgereift war und bei günstiger Gelegenheit praktisch ausgeführt werden konnte.

Es war eine bewundernswerte technische Leistung, die auch einiges gekostet hat, aber es hat der ganzen Region sicher einen enormen Nutzen eingebracht, sodass sich der ganze Aufwand auf alle Fälle gelohnt hat.

Erstaunlich ist natürlich, dass auf einer Fläche von 30 x 30 km mit vielen Gehöften und dem Dorf Blayford, wo es doch Zeugen der Aktion gegeben haben müsste, nichts an die große Öffentlichkeit gelangt ist. Sicher hat aber das große vorangegangene Unwetter bewirkt, dass sich alle oder fast alle in ihren Häusern verschanzt hatten. Oder es haben einfach alle "dicht gehalten", weil sie ja so oder so selber einen Nutzen davon hatten.

Wenn es stimmt, dass die Gesamtlänge der Spur 160 km betrug und in nur einer Stunde erzeugt wurde, dann kann das damit erklärbar sein, dass nicht ein entsprechend ausgerüsteter Ballon im Einsatz war, sondern mehrere.

Die Angaben in dem Bericht dürfen aber wohl auch mit einer gewissen Skepsis betrachtet werden, was z.B. aus folgendem hervorgeht: Bei 160 km Gesamtspurlänge und 25 cm Schrittweite wurden angeblich über 1 Million Hufabdrücke erzeugt!

160 000 m : o.25 m ergibt aber nur rund 640 000 Abdrücke!

640 000 zu 1 000 000 verhält sich immerhin wie 1 zu 1,56 ! Wie man sieht, wurde es so genau nun auch wieder nicht genommen.

 

Nun aber zur Technischen Lösung, die ich mir zusammengereimt habe:

Es sind mehrere Mechanismen, die hier zusammenwirken. Das unterste Teil ist ein Rad mit 2 Radscheiben, das im Normalfall auf der Schneefläche abrollt, wenn sich der Ballon bewegt (siehe Skizze 2). Gleichmäßig über den Umfang des Radkranzes verteilt sind z.B. 8 Ausstechformen über entsprechenden Öffnungen angebracht, also um jeweils 45° gegeneinander versetzt. Der Radkranz hat demnach einen Außenumfang von 8 x 250 =2000 mm, was einen Durchmesser von 637 mm ergibt. Die jeweils geringe Schneemenge wird aus der Form abgesaugt und in der Umgebung des Rades zerstäubt.

Der Radkranz muss breit genug und so geformt sein, dass er keine deutlichen Radspuren im Schnee erzeugt oder es bedarf noch einer Vorrichtung (z.B. leichte Egge, Besen, Gebläse o.dgl.), die die Radspuren hinterher wieder verwischt, ohne die Hufabdrücke wesentlich zu beschädigen.

Das Rad wird in einer Gabel gehalten, die fest mit dem Unterteil eines Teleskops verbunden ist. Dieses sitzt, leicht beweglich, in dem oberen Teleskop-Rohr, das im Boden des Ballonkorbes in einer Öffnung eines Stahlbleches hängt (siehe Skizze 1).

Es kann auch sein, dass das Teleskop aus mehr als 2 Teilen bestand.

Das Teleskop ist erforderlich, um Höhenunterschiede auszugleichen, die sich im Gelände, beim Befahren von Gebäudedächern und anderen Hindernissen, sowie bei Änderung der Ballonfahrhöhe ergeben. Das Rad muss ja fast die ganze Zeit auf der Schneefläche rollen.

Aufpassen muss der Pilot vor einer Gebäudewand, dass er das Teleskop-Unterteil mit dem Rad rechtzeitig anhebt. Dies erfolgt durch ein Seil, welches im Ballonkorb mittels einer Handkurbel auf die dort angeordnete Seiltrommel gewickelt wird. Das muss schnell geschehen, wenn sich der Ballon schnell bewegt. Denkbar wäre auch eine Feder, die rechtzeitig mittels der Handkurbel aufgezogen wird und dann durch plötzliches Auslösen das Teleskop-Unterteil mit dem Rad ganz schnell nach oben zieht.

So oder so ähnlich kann die Technik ausgesehen haben, welche vor rund 150 Jahren die rätselhaften "Teufelsspuren" in Devonshire erzeugt hat.

Wie aber erfolgte die horizontale Steuerung des Ballons, wie kam man dorthin, wohin man wollte?

Heißluftballons sind zwar nicht direkt steuerbar. Aber man kann durch Regulierung des Brenners und wahlweises Öffnen oder Schließen des sogen. "Parachutes" in der Ballonspitze ein Steigen oder Sinken des Ballons bewirken und somit unterschiedliche Windrichtungen in verschiedenen Höhen ausnutzen.

Man war ja aber auch an keine bestimmte Fahrtroute gebunden, mit einer Ausnahme:

Der besondere Effekt, dass die "Teufelsspur" genau am Friedhofstor des Dorfes Blayford endet, wurde wahrscheinlich dadurch erzielt, dass die Aktion dort begonnen wurde. Dazu brauchte nur das Hufe-Rad so ein gebaut zu sein, als wäre der "Teufel" rückwärts gelaufen.



                          

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Heinz Säring).
Der Beitrag wurde von Heinz Säring auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 20.08.2007. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Der Autor:

Bücher unserer Autoren:

cover

Vier Graupapageien und ein Happy Oldie von Fritz Rubin



Gestatten, dass ich mich vorstelle. Ich heiße Pedro und bin ein Graupapagei, ja, genau, der mit dem schwarzen Krummschnabel, der weißen Maske, dem grauen Gefieder und den roten Schwanzfedern. Meine drei Freunde Kasimier, genannt »Karl-Karl Kasel«, Grete, genannt »Motte-Maus« oder »Prinzessin«, Peter, genannt »O«, und ich leben seit Dezember 1994 in einem schönen Einfamilienhaus in einem Dorf in der Vorharzregion. Ich habe mir vorgenommen, aus meinem Leben zu berichten, was mir alles so passiert ist, wie mein Tagesablauf ist und war und was mich alles so bewegt.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (3)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Das Leben" (Gedichte)

Weitere Beiträge von Heinz Säring

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Aber bitte mit Sahne von Heinz Säring (Schüttelreime)
Das Heim von Karl-Heinz Fricke (Das Leben)
Wehmut von Edelgunde Eidtner (Haiku, Tanka & Co.)