Anette Esposito

Der falsche Weg?

Ich lief durch die Straßen des Lebens,

auf Strecken, die holprig gebaut

wo  manches Mal  ich doch vergebens

nach rechts oder links hatt‘ geschaut.

 

Die Landschaft war eintönig, fade,

es gab nichts was sehenswert war.

So ging ich oft freudlos die Gerade

schon längere Zeit, Jahr für Jahr.

 

Gewohnheit, als stummer Begleiter,

hielt stetig mit mir ihren Schritt.

Meist drängte sie weiter mich, weiter,

gab oft mir den nötigen Tritt.

 

Als plötzlich die Straße sich teilte,

stand ich an der Gabelung still.

Auch meine Gewohnheit verweilte

und fragte, wohin ich nun will.

 

Doch musste ich nichts überdenken.

Ich sah diesen helllichten Schein,

fing an, meine Schritte zu lenken,

und bog  in die Richtung nun ein.

 

Dort sah ich viel blühende Blumen

am Wegrand im Sonnenlicht stehn.

Der Boden, wie glatter Bitumen,

fast mühelos ließ es sich gehn.

 

Die Landschaft herum, bunt und eben,

lag warm in berauschendem Duft.

Sie schien mir das wiederzugeben

was wähnte ich schon in der Gruft.

 

Ich atmete tief und erkannte:

Erneut nahm das Leben mich wahr.

Ich tanzte und lachte und rannte,

und wähnte mich nicht in Gefahr.
 

Von weitem schon sah ich die Pforte,

das Tor zum vollendeten Glück,

vollkommene Klarheit am Orte.

Drum blickte ich nicht mehr zurück.

 

Schon dacht‘ ich, am Ziel angekommen,

den Sinn meines Lebens zu sehn.

Da wurde die Kraft mir genommen.

Erschrocken, erlahmt blieb ich stehn.

 

Ich war vor verschlossenen Toren,

vor Mauern aus dunklem Gestein

und fühlte mich einsam, verloren,

betrogen, verwundet, allein.

 

Verhärmt nun, mein sehnlichstes Hoffen.

Wie ohnmächtig stand ich, gequält.

Hatt’ falsche Entscheidung getroffen,

als ich mir die Straße gewählt?

 

Mit bitt‘rem Geschmack auf den Lippen

bin ich aus der Ohnmacht erwacht.

Gewohnheit steht bei mir auf Klippen,

umgeben von trostloser Nacht.

 

Doch reut mich nicht meine Entscheidung,

die Strecke gegangen zu sein,

wenngleich trotz Gewohnheitsbegleitung

ich nunmehr ermüde im Sein.

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 23.09.2007. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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