Dieter Schlesak

Die Hüterin Liebe ging und der Raum ist nun leer

Die  Hüterin Liebe ging und der Raum ist nun leer
 
 
REQUIEM
 
Bin ich befreit von dir im Lebwohl
Von der „süßen Last“ wie Mutter es nannte:
Woher ich kam und zu dir ging Liebste
Als ich den Tod mit dir vergass
Der auf mich wartet nun frei ist
Bald
 
Doch als du „Lebwohl“ sagtest und
„Ich wünsch dir alles Gute“
Regte sich  nichts  mehr in mir
Kein Stich kein Aufbegehren
Ich fühlte mich befreit
Aus dieser Geschichte
Und zum Abschied für ein letztes Immer
bereit
 
Du  Sein letztes Geschenk
Das eben vergeht
Warst Geliebte und Mutter
Und es gibt sie noch
Oh könnt ich dorthin  zurückgehn
Woher ich gekommen
War es diese Sehnsucht
Die mich zu dir trieb:
 
Liebe genannt aus der alles entsteht?
 
 
DER LETZTE  TROST IST EBEN VERGANGEN
Und ich spür nichts dabei als wär es normal
Ein leises Weh und etwas Bangen
Jetzt lieg ich geborgen im Abschied
Und nur noch erinnert in Seinem Areal.
 
Sanft ist der Abschied und im Tod ist kein Schrecken
Die  Hüterin Liebe ging und der Raum ist nun leer
Für ihn der das Vakuum vernimmt und mich  mitnimmt
Ist diese Arbeit gewohnt und nicht schwer
 
Schwer wie für uns – mit Leben und Liebe
Und vollem Herzen das so viel  von uns will
Doch wenn es leise ins Nichts verschwindet
Wird auch das Leben  in uns ganz still.
 
 

Liebe Leserin, Lieber Leser, danke für die Nähe der Lektüre. Wenn Du weiterlesen möchtest, es gbt das Buch:Dieter Schlesak, Herbst Zeit Lose. Liebesgedichte, München 2006, in jeder Buchhandlung oder bei amazon.de. Du findst auch viele hinweise auf meiner homepage dieterschlesak.de. Bei amazon findest Du auch die vielen anderen Gedichtbücher und Romane, auch Liebesromane ("Romans Netz") von mir.

Ja, liebe Leserin, lieber Leser, ich war sehr glücklich als eines der liebesgedichte aus meinem zehnten Gedicht-Band "Herbst Zeit Lose", der aus einer grossen Liebe und innerer Flamme, einem innern Licht entstanden war, von einem der besten Kenner deutscher Lyrik, Professor Walter Hinck vor einigen Monaten in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit Begeisterung besprochen wurde, und eines der Gedichte, sogar für die renommierte "Frankfurter Anthologie", die von Marcel Reich-Ranicki herausgegeben wird, auswählte.
Hier Walter Hincks Analyse und auch das Gedicht:

Walter Hinck
Elegie des Abschieds

Dieter Schlesaks Dichtung ruht im Elegischen. Im Band "Herbst Zeit Lose. Liebesgedichte", in dem diese Verse stehen, mischt sich noch in den Taumel des Sinnlichen und den Jubel der Sprache ein Zug von Trauer; über alle Himmel Schlesaks zieht eine Wolke. Der im rumänischen Transsylvanien als Angehöriger der deutschen Minderheit geborene Lyriker, Romanautor und Essayist, nach seinem Studium in Bukarest Redakteur der Zeitschrift "Neue Literatur", kam 1969 in die Bundesrepublik und lebt seit 1973 in der Toskana und in Stuttgart. Seine bedeutendste Übersetzung rumänischer Dichtung ist sicherlich die Übertragung der "Elf Elegien" von Nichita Stanescu, dem Dichter der inneren Emigration zur Zeit der Diktatur Ceauçescus (Neudruck 2005). In der italienischen und rumänischen Literaturkritik gilt Schlesak als einer der wichtigen Vertreter moderner deutscher Lyrik; ein Band von siebzig Gedichten mit Übersetzungen ist kürzlich in Pisa erschienen. Jenseits der Alpen hat Schlesak ein Echo gefunden, das man ihm auch in Deutschland wünscht.

Mit seinem Band "Herbst Zeit Lose. Liebesgedichte" schließt sich Schlesak an die Tradition einer Liebeslyrik an, die man heute leicht in den Verdacht der prickelnden Oberflächlichkeit bringen kann, wenn man sie erotische Lyrik nennt - einer Lyrik, mit der wir Namen wie Catull und Horaz verbinden, die Liebesgenuß und -erfüllung preist. Sie begegnet uns auch in Goethes "Römischen Elegien", deren Titel in einer Handschrift noch "Erotica Romana" lautet. Zumal Schlesaks Gedichte im Abschnitt "Komm, schlaf jetzt mit mir" zieren sich nicht, beschreiben Liebe als "Vulkan" in "Flammen". Aber fast immer geht aus dem Aufruhr der Sinne das Besinnen hervor. Ein an barocke Vergänglichkeitsklagen erinnernder Ton ist Signal: das Begehren nach dem Augenblicksbegehren verstummt; wahre Liebe will Ewigkeit. "Doch die Liebe ist Leben für immer", heißt der Sammeltitel für eine der Gedichtreihen.

Im Gedicht "Meine Liebste laß uns gehen" ist nach der Zeit der wilden Vereinigungen nun die Zeit des Abschieds gekommen. Die über die Augen gelegten Hände deuten an, daß sich der Vorhang vor der Welt der sinnlichen Wahrnehmungen schließt. Aber noch einmal bringt sich Erotisches in Erinnerung, das weibliche Geschlecht, als poetisches Bild für Geburt und Zeugung. Was den Augen mangelt, kann das Herz bewahren - Herz verstanden als Inbegriff für jenes Unbeschreibbare, das mit der Seele, dem ebenfalls unbeschreibbaren Spirituellen, verschwistert ist. Unendliche Traurigkeit durchdringt die vierte Strophe. Trennung der Liebenden und Einsamkeit des einzelnen werden unwiderruflich, und nicht zufällig wählt Schlesak in der Zeile "doch gehen ja gehen" eine die Gemütssaite berührende Wiederholungsform des Volkslieds. Noch gewähren die Erde des Grabes und "die Seele im Flug" eine "Umarmung". Aber bleibt auch das poetische Bild des offenen Himmels in Kraft, so besiegelt doch der Schlußvers eine Endgültigkeit: "Denn alles fällt ab was wir waren."

Es gibt im Band auch Gedichte von geringerer Direktheit, Beispiele wie in der Strophe: "Denn was dann nicht mehr ist / und war / die Erde, jede Zelle / Atome dieser Hand die wir so warm berühren werden! / Du meine und ich deine Hand / Sind ihre Elemente. Sie drehn sich rasend schnell / wie Glücksgefühle / und duften weiter." Von "Verjüngung" wird gesprochen. Die Abschiedselegie "Meine Liebste laß uns gehen" ist von herber Trauer. Hingenommen wird das Bedingte unserer Existenz mit einer Kraft der melancholischen Gefaßtheit, zu der wohl nur eine Liebe verhelfen kann, die ihrer Unverlierbarkeit gewiß ist. Dieses Liebesgedicht schön zu nennen wäre zu wenig; es macht dem Gefälligen keine Zugeständnisse, ist aber nicht fatalistisch, es ist bewegend, doch nicht erweichend, die poetischen Bilder leiten uns unaufdringlich, aber unausweichlich zur Frage nach unserer Endlichkeit, kurz, dies ist ein großes Gedicht.

- Dieter Schlesak: "Herbst Zeit Lose". Liebesgedichte. Buch & Media GmbH /Lyrikedition 2000, München 2006. 172 S., br., 17,50 [Euro].

Redaktion Marcel Reich-Ranicki

Kastentext:

Dieter Schlesak

Meine Liebste lass uns gehen

sieh wir haben uns schon die Hände über die Augen gelegt.

War nicht dein Geschlecht schon wie immer der Aus- und der Eingang zur Welt?

Bleib mir im Herzen wenn wir vergehen.





Mein Band "Herbst Zeit Lose," der 2006 in München erschienen ist, kann bei www.amazon.de, aber auch in jeder buchhandlung bestellt werden.









Dieter Schlesak, Anmerkung zum Gedicht

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 14.10.2007. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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