Gisela Segieth

Der alte Mann und die Bank

 

Der alte Mann und die Bank
 
So richtig nett ist´s nur im Bett
ach, wenn ich doch ein Liebchen hätt
das könnte wärmen mich sogleich
so dass ich fühlte mich ganz reich.
 
Doch so ist es mir allzu kalt
ich fühl mich fast wie in nem Wald
unter der Decke aus Papier
ich bitterlich noch immer frier.
 
Die Bank, auf der ich liegen muss
gibt mir auch keinen Hochzeitskuss
sie knarrt, sagt mir „lass mich in Ruh“
ich seh dabei den Wolken zu.
 
Sie ziehen hin, sie ziehen her
mir wird dabei die Seele schwer
ich frag mich „was hab ich gemacht?“
dass ich werd ständig ausgelacht.
 
Die Kiste unter meinem Kopf
erinnert mich, mich armen Tropf
daran, dass meine Zeit verrinnt
eh sich ein Mensch auf mich besinnt.
 
Der Himmel über mir, er weint
ja, glaub mir, es nicht nur so scheint
er öffnet mir sein großes Tor
und bringt den Regen gleich hervor.
 
Mit ihm kommt nun auch ganz geschwind
des Regens Bruder, dieser Wind
er bläst und tobt gleich voller Wut
mir geht es dabei gar nicht gut.
 
Als hätten´s nicht genug gelacht
kommt jetzt auch noch die dunkle Nacht
senkt ihren Vorhang auf mich nieder
als gäb sie her mich niemals wieder.
 
Mir selbst wird dabei angst und bang
oh je, wie ist die Nacht so lang
da ich allein hier liegen muss
wo niemand hat für mich nen Gruß.
 
Ich alter Mann spür meine Glieder
doch alle Tage, immer wieder
sie schmerzen mich, sie tun mir weh
ich spring schon lang nicht mehr wie´n Reh.
 
Noch immer denke ich zurück
an Zeiten, die für mich voll Glück
einst waren, wo es mir ging gut
und ich hatt täglich neuen Mut.
 
Ganz müde schlafe ich nun ein
warum muss ich so einsam sein
ja, warum ist auf dieser Welt
denn nie ein Bett für mich bestellt?
 
Was muss denn alles noch passiern
warum muss ich so bitter friern
warum ist niemand für mich da
so wie ich dies für andre war?
 
Hallo, was ist denn nun geschehn
in wessen Augen muss ich sehn
wer weckt mich da, wer deckt mich zu
ja, sag mir, wer raubt mir die Ruh?
 
Das kann doch einfach gar nicht sein
ich merk, ich bin nicht mehr allein
was ist denn das nun für ein Licht
wer leuchtet mir da ins Gesicht?
 
Ein Schutzmann ist´s, er nimmt mich mit
er meint, ich sei schon lang nicht fit
genug für diese alte Bank
ich sähe ihm doch aus sehr krank.
 
Er bringt mich schnell ins Krankenhaus
wo man mir zieht die Schuhe aus
ja, wo man legt mich gleich ins Bett
ach, schlaf ich nun so herrlich nett.
 
Zum ersten Mal in meinem Leben
ist auch für mich ein Bett gegeben
hier möcht ich bleiben, möcht ich schlafen
"Au!" mit ner Nadel sie mich trafen.
 
Oh weh, was soll denn das nun heißen
muss ich im Bett ins Gras nun beißen
ach, wär ich nur auf meiner Bank
hier werde ich ganz sicher krank.
 
Wenn ich hier raus bin, Ihr könnt´s glauben
wird niemand mir den Schlaf mehr rauben
nein, denn dann sag ich „Gott sei Dank“
zu meiner guten alten Bank.
 
Jetzt weiß ich, dass es ist nicht nett
hier drin, im Krankenhaus im Bett
wo man mich piesackt, man mich quält
und wo man Storys mir erzählt.
 
Dort draußen, da gehör ich hin
wo ich stets krieg nen frohen Sinn
wo man mich kennt und neckt dazu
denn das schenkt mir stets Seelenruh.
 
Deshalb ich auch mein Päckchen schnür
und raus bin ich, sofort zur Tür
lauf schnell davon, man denkt es kaum
vor meinem Mund bildet sich Schaum.
 
Die Bank erreich ich gerade noch
da tut sich auf vor mir ein Loch
ich stürze rein, komm nicht mehr raus
mein Leben ist vorbei , welch Graus.
 
Doch ich komme im Drüben an
wo ich ganz herzlich lachen kann
denn dort erwartet mich ein Bett
in dem ich schlafe fortan nett.
 
Die Bank ich von hier oben seh
jetzt schon liegt sie im tiefen Schnee
ich sage „danke“ noch einmal
auf dir war´s doch nicht so ne Qual.
 
Schenk du nun Ruh den andern Leut
so dass sich auch ihr Herz erfreut
ich werde dich vergessen nimmer
in einem Bett war´s für mich schlimmer!

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 05.12.2007. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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