Uwe Lammla

Ostern

I

Im Osterfeuer brennt die Zeit der Nächte,
Wir schichten Reisig auf und trocknes Moos,
Die Freude ist sehr jung und ist sehr groß,
Die Kränze lind und gelb wie Farn und Flechte.

Am Osterfeuer wird man Bürde los,
Geheimstes mit den Schuppen dunkler Schächte,
Hier stellt die Jugend Kanzel, Amt und Rechte
Und stellt verjährte Eitelkeiten bloß.

Ob auch der alte Winter sich erfrechte
Zu kehren in der Nacht mit Frostgetos,
Wird ihm doch Achtung nicht bei dem Gefechte.

Man träumt im warmen Wind am Feuerstoß,
Hat keinen Blick, der weinend sein gedächte,
Und einer sagt: Jetzt macht er in die Hos.


II

Am Ostermorgen ist das Grab gebrochen,
Der Heiland hat sich aufgemacht zur Schar
Der Jünger, die gebannt und traurig war
Und Tage nahm, als wärens viele Wochen.

Im Ostermorgen wird uns offenbar,
Die wir aus Schmerz und Blut zum Licht gekrochen,
Daß Kämpfe, die in unsern Adern pochen,
Er führte als der ersten Sonne Aar.

Zwar hat der dunkle Fürst ein Heer bestochen,
Das sieggewohnt nicht Feind scheut noch Gefahr,
Doch uns in sein Verließ hineinzulochen,

Ist er nicht frei, solang im Wind das Haar
Uns weht und wir dem Herrn das Festmahl kochen,
Der brachte sich für unser Leben dar.


III

Der Osterhase liebt Versteckens-Spiele,
Er ist der Schalk, der uns nicht ruhen läßt,
Wo Hag und Hecke grünen, ist das Fest
Kein Ruhplatz, der dem Winterschlaf verfiele.

Was er versteckt im Wildwuchs-Palimpsest,
Es ruft hinaus von Speicher, Herd und Diele,
Wer noch studiert mit schlankem Pfauenkiele,
Der kommt zu spät und findet nur den Rest.

Ein Fund, der langes Suchbemühn zum Ziele
Gebracht, Triumph, der atemlos gepreßt,
Ein Gleichnis birgt für unsere Lebensstile.

Es kommt ein Wind von Ost, einer von West,
Doch einer, der sich sonnt am Roten Hiele,
Ist froh, daß ihr die meisten rasch vergeßt.


IV

Im Osterei, wo Schale, Weiß und Dotter
Die Dreiheit zeugen und die Welt in nuce,
Ruht alle Weisheit, eh der Kückenfuß
Die Wand zerstemmt, als Vogelwesen flotter.

Im Dreiklang fand der Sphärenhall den Gruß,
Und Gestern, Heut und Morgen schicken Trotter
Auf den vom dritten Stand gehäuften Schotter,
Wo Waffen gehn und Geister Flügelschuhs.

Wenn wir uns wiedersehn im Spiel der Otter
Und uns verwirrn im Spiel der Ichs und Dus,
Sei Ostern auch für unsern Geist Entmotter.

Denn Kalkstein, Frucht-Gelee und Götter-Mus,
Sind auf getrennten Wegen nur Vergotter,
Und was dem einen Glück, ist andern Buß.


V

Der Osterfrieden sammelt die Gemeinen
Zur Kirche, die von Haß und Hader trennt,
Und wenn das Licht der Auferstehung brennt,
So dürfen auch die harten Herzen weinen.

Im Osterfrieden wird das Element
Zur Heimat, Land und Meer und Luft zu einen,
Und vor dem Grab, befreit von schweren Steinen,
Ein Engel steht, der nur noch Freie kennt.

Von Parsifal, dem törigen und reinen,
Der auszog, daß er einst die Lanze send,
Verlorn im Frevel und in Zauberhainen,

Geführt, wird uns ein reiferer Advent,
Der Reichtum sammelt in geweihten Schreinen,
Im Heil, das uns bei unserm Namen nennt.


VI

Der Ostersegen regnet auf die Auen
Und macht die Weide fruchtbar und das Feld,
Er schafft Gedeihn und Wuchs, solang die Welt
Nicht einst beschließt, auf andres zu vertrauen.

Der Ostersegen unser Land bestellt,
Er weicht die Krume und verwöhnt mit lauen
Berührungen den Keimling, wenn im Blauen
Der Storch sich wieder unserm Heim gesellt.

Die Schwalben siehst du ihre Nester bauen,
Die Osterglocke prunkt vor deinem Zelt,
Und alles in dir ist nur Stehn und Schauen.

Manch einer aber kennt nur Geiz und Geld,
Manch andrer ahmt die Putzsucht nach des Pfauen,
Und wieder einer geifert nur und bellt.


VII

Die Osterliebe ist allein von Dauer,
Weil sie uns zeigt, daß wir erstanden sind
Aus Grabesdunkel, das den Geist umspinnt,
Bis aufbricht, die von Furcht gefügte Mauer.

Die Osterliebe reinigt Truhn und Spind
Von Abgelebtem, das dort auf der Lauer,
Den Gram und der Verzweiflung Eberhauer
Ins Herz zu stoßen jedem Gotteskind.

Drum sei bereit und trage keine Trauer,
Denn Gott hat längst geschaffen, was dich minnt,
Und heute wird dein Augenlicht genauer.

Was heut dir widerfährt, was heut beginnt,
Es ist kein Fön und ist kein Regenschauer,
Es ist das große Glück, das dich gewinnt.

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