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„Lastest Shipping Status“ von Andreas Thon

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readysteadypaddy (onkel.merlinweb.de) 20.05.2015

Lieber Andi,
wieder einmal ist mir dein Gedicht ein Rätsel. Ich lasse einfach die Bilder zu mir sprechen und stelle die Theorie auf, dass es um Religion gehen könnte. Das Meer wäre dann Gott, bzw. eine erlebte Spiritualität. Wenn man seinen Glauben nicht dort verankert,(in der Erfahrung nämlich) verläuft er im wahrsten Sinne auf dem Kirchenboden, wo brave Schäflein mit gebeugten Nacken sitzen. Bis dahin scheint's zu stimmen. Aber was fang ich mit dem letzten Abschnitt an? Bitte hilf mir auf die Sprünge. Liebe Grüße von deinem perplexen Mitdichter Patrick

 

Antwort von Andreas Thon (20.05.2015)

Die Bilder und die Gefühle die der Text auslöst trügen Dich nicht ganz. Der Text ist eine, auch selbstmitleidige, Gesellschaftskritik in die vieles hineinspielt. Und natürlich auch nur eine momentane Zustandsbeschreibung der Minuten in denen ich so gefühlt habe - also kein Grundgefühl. Ich hatte schon bei Faro geschrieben das es mal wieder einer meiner unbewußten Texte ist die ich ohne jeden Filter einfach so rausfließen lassen. Vielleicht sind mit *Ernte*, *Gebet* und *Kirchenboden* zu viele religiöse Assoziationsmöglichkeiten drin, aber was dem lyrischen Ich (also mir) hier im Leben auch fehlt, ist der Glaube, der Glaube an die Liebe, den Sinn des Lebens, der Wahrnehmung des Einzelnen üder eine plakative Ebene hinaus und das erforderliche Miteinander in der Gesellschaft um die Zweidimensionalität aufzuheben. Und wenn das *Es* (alles was zählt) am Kirchenboden zerläuft, dann ist das auch Kritik an der Kirche. Die erste Strophe ist einfach ne Zustandbeschreibung des Ichs, die zweite versucht zu erklären warum und die dritte ist das Ergebnis dessen was entsteht wenn die zweite zutrifft (wenn in S2 - falle in S3). Sozusagen ist es der letzte Status der Sendung *Leben* oder *Welt* auf ihrem, meinem Weg. Die Sendung ist noch nicht endgültig zugestellt, es besteht also noch Hoffnung ;-) So würde ich das jetzt erklären wollen ohne auf die einzelnen Bilder genau eingehen zu wollen (die gebeugten Nacken erinnerten mich übrigens auch an eine Sklavengaleere - ist ja einem gefüllten Kirchenschiff nicht unähnlich). Danke für Deine Interpretation und das Du Dich mit diesem, auch für mich nicht einfachen Text, überhaupt beschäftigt hast. Dir liebe Grüße nach Hamburg und auch noch mal danke für die Anregung in Deiner letzten Kommentarantwort betreffs der neuen Tocotronic. In die habe ich nämlich noch nicht reingehört. Muß ich unbedingt nachholen. Andi


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Alma Brosci (eMail-Adresse privat) 20.05.2015

Der Text fordert mich auf, drei Din-A-4
Seiten zu schreiben, mach ich aber nicht, ich nehme wahr
die Zeilen: "zur einen Hälfte unwichtig/ zur Anderen
unachtsam" ..da bleibt ja gar nichts mehr übrig, bis
auf die nicht gezählten Prozente, wo "Dein Gefieder" glatt
gestrichen wird, was aber auch nicht unbedingt positiv
zu werten ist. Eher beschwichtigend, wie etwas, was man
loswerden will... wie "ein loser Name". LG Inge hg

 

Antwort von Andreas Thon (20.05.2015)

Ich hab bei Faro schon ganz viel geschrieben zur Entstehung des Textes, - aber mich freut Dein Kommentar sehr. Es geht gleich los mit *3 Din-A-4*. Da steckt schon die Dreidimensionalität drin die mir von anderen in der Wahrnehmung im Leben fehlt, sie wird aber auch wieder eingegrenzt durch das DIN, welchem wir alle unterliegen und was uns schon wieder zweidimensional macht. Und wie kann ein zweidimensional wahrgenommener Mensch (in der Wahrnehmng des Dichters der hier auch das lyr. Ich ist) anders agieren als das Gefieder glatt zu streichen ? Das geht gar nicht und glättet auch wieder eine Dimension ein. Die Zeile ist also durchaus als Eigenkritik und Selbstironie zu sehen. Eigentlich ist es ein Weltschmerz Gedicht mit Kritik an der Gesellschaft, ihren Zwängen, ihren Mustern, ihren Menschen und einem selber. So kann ich das allgemein vielleicht stehen lassen...in meiner Unvollkommenheit ;-) Auch Dir danke ich für Deine Gedanken zu dem Gedicht, die mich dem Inhalt weitaus näherbringen, als wenn ich es selber betriebsblind noch 10 mal lese. Liebe Grüße - Andi


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hansl (eMail-Adresse privat) 19.05.2015

Lieber Andreas,

wenn jeder Bissen Leben als Einheitskost zubereitet wird, ist die Küche vielleicht immer sauber und aufgeräumt, aber der fade Geschmack schlägt früher oder später voll auf den Appetit ...
So ist mir dein Text beim Wortespeisen spontan "aufgestoßen".


Liebe Grüße
Faro

 

Antwort von Andreas Thon (20.05.2015)

Ja, auch das steckt darin. Auf alle Fälle geht es um das Leben und Zweidimensionalität - und Einheitsbrei ist ja auch zweidimensional auf eine Art. Das ist mal wieder so ein unterbewußter Text den ich so einfach hingeschrieben habe ohne ihn durch viele Filter laufen zu lassen, und auch ohne ihn selber gleich verstehen zu wollen. Nach dem Shreiben denk ich dann entweder, *ja, das ist so stimmig, so fühl ich mich an*, wie in diesem Fall, oder aber auch *was für die Mülltonne*. Viel mehr weiß ich selber oft nach dem Schreiben gar nicht. Ich hätte ihn auch unter Gesellschaftskritik einstellen können, aber da er zu viel persönliches enthält kam mir das dann doch nicht so passend vor. Danke das Du Dich da rangetraut hast obwohl der Text ja durch seine Fragmentierung und abstrakten Bilder nicht so leicht ist. Liebe Grüße - Andi


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