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„Am Neuruppiner See“ von Inge Hoppe-Grabinger

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Sonnenfisch (sonnenfischlive.de) 10.11.2017

Liebe Inge! Da kriege ich, der ich 23 Jahre lang in Berlin
(Charlottenburg und Wilmersdorf) gelebt,
ja direkt Heimatgefühle: der Neuruppiner See!
Obgleich dieser Herr in deinem Poem
an (herbstlicher) Einsamkeit leidet.
Da sind "unbesetzt kalte Zonen" an seinem Tisch -
"in der Ecke" sitzt er -
Erinnrungsfetzen sind "aufgebahrt in seinem Tee" -
und da ist nichts als sein Schirm
als "ein wenig Trost" für den Heimweg .......
Bei Wilhelm Genazino fand ich dazu
sechs Stufen der Einsamkeit:
Wilhelm Genazino (* 1943 in Mannheim)
"DIE LIEBE ZUR EINFALT", dtv 2012
.....................................................................................
STUFEN DER EINSAMKEIT
(Stufe 1)
hier wähnt man, nur man selber sei einsam -
alle anderen Menschen würden davon nicht geplagt
(Stufe 2)
hier geht man davon aus, dass eigentlich alle Menschen
an Einsamkeit leiden
(Stufe 3)
hier ist es normal, sich mit sogernannten haltlosen Fragen
zu beschäftigen, wie die Künstler es tun
(Stufe 4)
hier tut es gut, ein kleines Geiheimnis zu haben
(Stufe 5)
hier wandelt sich die innere Zustimmung zu diesem Geheimnis allmählich in eine Zustimmung zur Einsamkeit überhaupt
(Stufe 6)
hier sieht man wieder und wieder, dass das Weltgeschwätz
längst in jedes Haus, in jedes Zimmer und an jeden Tisch vorgedrungen ist. Deswegen nähert man sich immer mehr
dem Gedanken, dass inmitten des dröhnenden Einerleis der Welt
die persönliche Einsamkeit möglicherweise
die einzige Möglichkeit sei,
unserer selbst wieder inne zu werden.
Und diese Art der Einsamkeit
wird daher absichtsvoll herbeigeführt.
ZITAT:
"Nicht weit von mir sitzen sieben Personen an einem Tisch.
Sie sprechen über Kleidung und Kochrezepte, über das Wetter
und den letzten Urlaub, über Vorgärten und Haustiere,
über Autos und Sportvereine, über Restaurants und Ski-Ausrüstungen,
über Fotoapparate und Lederbekleidung, über Filme und Kinder,
über Krankenkassen und Autobahnen,
über Kosmetika und Eigentumswohnungen.
Es ist zu sehen, dass sie sich untereinander gut kennen.
... Doch genauer besehen,
befindet sich unter den sieben Personen
eine Frau, die selber kaum spricht und offenkundig
ein wenig Mühe hat,
das Geplapper um sie herum Satz für Satz zu verfolgen.
Trotz ihrer schwachen Position bleibt die Frau guter Dinge.
Immer wieder schließt sie den Mund
und schaut den anderen ins Gesicht ... "
Herzlich: August im November






Renate Tank (renate-tankt-online.de) 06.11.2017

Das ist wieder ein Kleinod, liebe Inge.
Die Worte sind wie seltene Steine;
sie fangen gerade ein Lebensstück ein...

Bin begeistert.

Liebe Grüße - Renate

 

Antwort von Inge Hoppe-Grabinger (07.11.2017)

Liebe Renate, es ist in der Tat seltsam, in der Nähe eines bezaubernden Sees sich so hinzusetzen, dass man ihn nicht sehen kann! Seien wir weiter aufmerksam! Lieben Gruß ... Inge


rnyff (drnyffihotmail.com) 06.11.2017

Eindrücklich beschriebenes Stimmungsbild für Einsamkeit. Nicht einmal die Umgebung interessiert und als Begleiter bleibt der Regenschirm. Ausgezeichnet, könntest Du eigentlich für das Tüpfchen auf dem i
noch malen. Herzlich Robert

 

Antwort von Inge Hoppe-Grabinger (07.11.2017)

Lieber Robert, das würde mir nicht gelingen, weil ich beim Zeichnen in der letzten Zeit fast nur noch die "satirische" Brille aufsetze. Danke ... Inge


Nordwind (nordwind19-wehtyahoo.de) 06.11.2017

Hallo Inge,

ich seh diese Situation direkt vor mir, und höre die Stille
des Allein-seins am Tisch, dabei kann mich dem Kommentar von Andreas nur anschließen…

Liebe Grüße
Gabriele

 

Antwort von Inge Hoppe-Grabinger (07.11.2017)

Liebe Gabriele, Ich lege immer so viel Wert auf das Sehen, dabei ist doch das Hören das Instrument der Emotionen (merkt man, wenn man den Ton abschaltet). Danke für diese Beobachtung. PS. Dein Aphorismus hat etwas von einem Befreiungs- schlag an sich. Und wo gehobelt wird, fallen Späne! Recht so! Lieben Gruß ... Inge


Bild Leser

Horst Fleitmann (h.fleitmanngmail.com) 06.11.2017

Hallo Inge,

War das vielleicht der gleiche Herr wie in meinem Gedicht? Was für ein Zufall.

Herzlich grüßt Horst

 

Antwort von Inge Hoppe-Grabinger (07.11.2017)

Lieber Horst, ich glaube, es war doch ein anderer Herr. Im Nebel sähen sie sich dann doch vermutlich ähnlich! Herzlich ... Inge


Andreas Vierk (Andreasvierkgmx.de) 06.11.2017

Liebe Inge,
manche Leute offenbaren nur durch Situationen ihre Einsamkeit. Oder irrt sich der Betrachter, und der Mann wartet auf seine Familie oder auf Freunde? Deine Metaphern werten die Situation als Tristesse. Selbst die Erinnerungen sind im Tee aufgebahrt. Nur ein Schirm bietet Trost. Aber die Seenlandschaft lockt wie eine positive Hintergrundfarbe. Natürlich ist es kein Trost für einen Unglücklichen, wenn der Standardspruch mit den singenden Vöglein kommt. Dein Gedicht hat indes etwas von einem impressionistischen Bild.
Liebe Grüße von Andreas

 

Antwort von Inge Hoppe-Grabinger (07.11.2017)

Lieber Andreas, es kam keiner und es wurde auch niemand erwartet. HOffentlich musste der Herr, der schon, bevor er das Restaurant betrat, mit dem Schirm kämpfte, um ihn zu schließen, nicht auf dem Nachhauseweg einen ähnlichen Kampf kämpfen, der für Außenstehende immer auch etwas Komisches hat. Für meine Skizze erschiene mir der Ausdruck "Neue Sachlichkeit" nicht ganz falsch. LG Inge hg nicht


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