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„Du bist nicht deine Geschichte“ von Anita Namer

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Tensho (eMail senden) 18.11.2018

Liebe Anita,
wir sollten uns immer neu erfinden, den Lebensfaden weiterspinnen. Wir sollten es und wir müssen es, weil jeder Tag neues Erleben bringt.
Es ist eine riesig-große Leistung die gemachten Erfahrungen als Vergangenes abzustreifen. Das Bild mit dem Rucksack finde ich gut. Nicht allen gelingt es, jenen wirklich am Wegesrand stehen zu lassen, um unbeschwert weiterzuziehen.
Liebe Grüße an einem Sonnen-Sontag, Bernhard

 

Antwort von Anita Namer (18.11.2018)

Lieber Bernhard, den Lebensfaden weiterspinnen.... Hmmm....das beschäftigt mich gerade sehr. Auch unsere Ahnen haben den Faden aufgenommen und weitergesponnen - und sie hatten es erheblich schwerer als wir. Man kann vieles schön reden und deswegen wird es auch nicht schöner... Man kann aber auch vieles schwarz malen und es kann durchaus sein, dass es noch schwärzer wird. Es geht mir nicht darum, die Erfahrungen abzulegen, sie wurden ja gemacht und wir entwickeln uns mit ihnen. Mit dem Rucksack meine ich - die Belastungen der Geschichte abzulegen und weiter zu gehen. Unbewusste Dinge, mit denen wir das Vergangene immer und immer wieder hervorholen, packen zusätzliches Gewicht in unseren Rucksack. Es ist geschehen, und wir werden es nicht mehr verändern. Was wir verändern können, ist - wie wir damit umgehen und wie wir den Blick darauf richten. Ich bekam mal eine Postkarte geschenkt - darauf sind zwei Engel abgebildet - ein dunkler und ein lichtvoller. Darauf steht - es ist immer deine Entscheidung, in welchem Licht du etwas betrachtest. Etwas passiert - und es passiert erstmal und das ist nicht zu ändern. In dem Augenblick stehen wir in der Mitte. Blicken wir auf die eine Seite - erblicken wir das Drama. Hier laden wir mit dem Ausmalen des Dramas immer noch mehr in unseren Rucksack und legen ihn auch nicht mehr ab. Blicken wir auf die andere Seite, sehen wir auch das Drama, doch es gibt immer noch einen Weg, selbst wenn auf den ersten Blick keiner sichtbar ist. Wir lassen die Möglichkeit offen, dass es einen gibt. So wird der Rucksack leichter und vielleicht lässt sich mancher Inhalt später auch ablegen. Die Erfahrung bleibt, sie wird jedoch leicht wie eine Feder.. und es kann sich möglicherweise Gutes daraus entwickeln. Liebe Grüße in deinen Abend, Anita


readysteadypaddy (onkel.merlinweb.de) 17.11.2018

Ja, das ist schöm, Anita. That's ist. Liebe Grüße von Patrick

 

Antwort von Anita Namer (18.11.2018)

Lieber Patrick, irgendwie lächle ich gerade... Warum? Weil ich spüre, dass du weißt, wovon ich hier schreibe.... Ich glaube, mehr Worte braucht es nicht, liebe Grüße, Anita


tryggvason (olaf-luekenweb.de) 14.11.2018

Ein leidender Mensch weiß aus seiner Erfahrung, dass das Leben kein ewiger Naschgarten ist.
Ich kenne das ewige Positivgerede aus den USA. In den 70ern mussten junge Banker in den
"Motivationsseminaren" Positivdrogen en masse einnehmen. Aus den damaligen "freiwilligen" Zielverein-
barungen" wurden Zielvorgaben. Mein Tipp für dich ? Träume nicht einmal im Schlaf.
Herzliche Grüße

Olaf

 

Antwort von Anita Namer (14.11.2018)

Lieber Olaf, falls ich dich verletzt haben sollte - entschuldige bitte. Es ist keinesfalls beabsichtigt, irgendjemanden zu verletzen. Jeder hat seine eigene Geschichte, ich kenne sie nicht und tappe vielleicht in Wunden, ohne es zu ahnen. Jeder leidende Mensch hat die Nase voll von vermeintlich klugscheißerischen Weisheiten. Hier stimme ich dir voll zu. Manchmal hat man die Nase voll von allem. Vom Leben, von den Schmerzen, von den Menschen und und und…. Ja, auch zurecht. Mir ging`s lange so, auch jetzt noch hin und wieder. Und gerade deshalb schreibe ich das, wovon ich denke, dass es mir hilft und geholfen hat. Ich hatte einige nicht so schöne Erlebnisse in der Kindheit und habe lange unbewusst darunter gelitten, kam nicht in die Spur. Gleichzeitig fände ich es zu einfach, zu sagen, weil dies oder jenes geschehen ist, lief mein Leben so, wie es lief. Da habe ich die Verantwortung, absolut. Es gibt viele Menschen, die nicht mal den Luxus haben, darüber nachzudenken, was in ihrem Leben sie aus der Bahn warf oder wirft, weil sie täglich ums Überleben kämpfen. Ich habe seit Jahren eine diagnostizierte Autoimmunerkrankung. Vor dieser Zeit war sie unerkannt und all die Beschwerden ließen mich nur noch wünschen zu sterben. Hat man, wenn man nicht stirbt, noch eine Aufgabe? Auch das weiß ich nicht, vermute es aber. Aktuell hatte ich ziemlich schmerzhafte Probleme mit einer Daumengelenksarthrose beiderseits. Die Daumen sind zu 40 % aus den Gelenken gerutscht, kein Knorpel mehr vorhanden, Knochen reibt auf Knochen. Schmerzen zum Umfallen, dauerhaft, Tag und Nacht. Wie Elektrostöße, durch den ganzen Körper. Das sind Dinge, die kann ich mir noch so schönreden, sie sind da. Ich trug Schienen an beiden Seiten, konnte weder etwas halten (nicht mal einen Stift) noch schreiben, noch was tun. Ich trug die Schienen vor Schmerzen auch nachts. Nur ja nicht irgendwo ankommen, etwas berühren. Da bekommt man erstmal die Aussage, tja, leider nichts mehr zu machen. Bei Arthrose gibt es keine Heilung. Ja, ich bin eine Träumerin, die an Wunder glaubt und gleichzeitig eine Realistin, die versucht Wege zu finden. Ich mag keine Schmerztabletten. Das ist das erste. Mit Schmerzen betäube ich den Schmerz, die Ursachen bleiben. Gleichzeitig nehme ich natürlich welche, wenn es gar nicht mehr geht. Mein Vater hatte auch Arthrose, so schlimm, dass er sich am Ende fast gar nicht mehr bewegen konnte. Ist das eine Geschichte, die auf mich wirkt, oder ist es möglich – für mich eine neue zu schreiben? Denke ich mir – ein Leben voller Schmerzen, mit unbeweglichen Gelenken ist der einzige Weg – oder denke ich – mein Zustand wird sich irgendwie bessern, auch, wenn ich noch nicht weiß wie? Meist geschieht dieses Denken unbewusst. Ich hatte wenig Hoffnung. Erstmal. Ich las mich ein…..Was gibt es für Möglichkeiten? Operation? Keine einfache Sache….Beschwerden bis zum Lebensende? Ich begann unspektakuläres. Ich nahm die Schienen ab, trotz Schmerzen. Keine Schonung – weil gleichzeitig die Muskeln abbauen. Vielleicht können die Muskeln das Gelenk halten? Ich habe eine Freundin, die Krankengymnastin ist und unkonventionelle Wege geht. Wir arbeiten regelmäßig – es tut höllisch weh – doch es hat sich gebessert. Alleine die Hoffnung bewegt schon viel. Sie meinte: Ja – du hast diese Diagnose, aber wer sagt denn, dass diese für dich immer Schmerzen bedeutet? Alleine das – hat schon etwas verändert. Das Denken wurde anders. Der Schmerz durfte erstmal da sein….ich wollte ihn nicht mehr so unbedingt weg haben. Ich hatte ja die Hoffnung, dass er nicht für immer da ist. Das macht ihn erträglicher. Ich massiere Öl ein, ich passe auf meine Hände auf. Ich werde achtsamer – auf unbewusste Bewegungen, die meine Daumen belasten. Minimale kleine Dinge….und doch – bin ich aktuell ohne Schienen, ohne Schmerztabletten und ich tippe das in den Computer. Es lässt sich verändern….Vielleicht auch nur ein wenig aufhalten. Frag mich in ein paar Jahren, wie es weiterging. Bin ich dann gescheitert oder geht es mir gut? Ich weiß es nicht, doch ich habe Hoffnung. Der Körper kann so vieles reparieren, was wir als selbstverständlich sehen. Wenn wir uns verletzen – heilt so vieles wieder zusammen. Klar, logisch. Kann er auch meine Daumen reparieren? Wir werden´s sehen. Reicht schon, wenn`s keine Dauerschmerzen mehr sind.  Ich habe kürzlich einen Bericht gesehen, Schweizer Forschern gelang ein Durchbruch in der Behandlung von Querschnittlähmungen. Ein Querschnittgelähmter kann nach 7 Jahren im Rollstuhl wieder gehen. Eingepflanzte Elektroden am Rückenmark aktivieren auf Befehl des Gehirns einzelne Muskelgruppen. Die elektrische Stimulation wird mit dem Willen des Patienten synchronisiert. Resultat: Ist das System aktiviert, können die Patienten ihre Beine gezielt bewegen. Besonders erstaunlich: Teilweise gelangen die Bewegungen sogar, wenn die Elektroden wieder ausgeschaltet waren. Nach langem Training konnten sie sich sogar ohne elektrische Stimulation bewegen. Es sind wohl neue Nervenverbindungen gewachsen. Bisher gelangen die Versuche mit 3 Patienten. Zuerst gingen sie noch mit Rollator, später kleine Strecken ohne jegliches Hilfsmittel. Träumen? Ja – es sind Träume. Doch hätte nie jemand geträumt – würde es vieles nicht geben. Ich würde gerne deine Meinung zu diesen Zeilen lesen. Wenn du magst, schreib mir bitte. Ich würde mich freuen. Danke dir und liebe Grüße, Anita


Bild Leser

Elin (hildegard.kuehneweb.de) 14.11.2018

Liebe Anita,

sehr nachdenklich und erdrückend zugleich und was geschenhen
ist, ist nun vorbei. Nimm das Leben neu in die Hand und fange es
von vorne an.

Liebe Grüße von Hildegard

 

Antwort von Anita Namer (14.11.2018)

Liebe Hildegard, danke dir für deine so empfindsamen Zeilen. Ich habe inzwischen mein Leben fest und gleichzeitig locker in meinen Händen. Es geht mir gut, ja ich bin erstaunt, wie viel Schönes es in meinem Leben wieder gibt. Hätte ich nie gedacht, ja mir sogar nicht mal erträumt. Das Leben kann schöner sein, als wir uns es manchmal vorstellen können. Herzensgrüße, Anita


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